Ambulante Pflege stärken - Freie Wohlfahrtspflege NRW legt Zahlen und Forderungen vor

Düsseldorf, 3. September 2018. Die ambulanten Pflegedienste der Freien Wohlfahrtspflege NRW müssen immer mehr Menschen eine Absage erteilen, die eigentlich auf Pflege zu Hause angewiesen sind. Die Freie Wohlfahrtspflege fordert, die ambulante Pflege zu stärken.

03.09.2018

Die ambulante Pflege ist wesentliches Element im Gesundheitsbereich. Denn die allermeisten Pflegebedürftigen wollen so lange wie möglich zu Hause leben, auch wenn sie auf Unterstützung angewiesen sind. Die 850 ambulanten Pflegedienste der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen bieten umfangreiche pflegerische Hilfen. Diese wichtige Versorgungsleistung steht jetzt massiv unter Druck. Pflegedienste haben den Anspruch zu helfen, müssen aber immer mehr Anfragen nach Unterstützung ablehnen, weil Pflegekräfte für die häusliche Pflege fehlen.

Die Kommission Pflegeversicherung der Freien Wohlfahrtspflege NRW, in der die Pflegeexperten aller Wohlfahrtsverbände zusammenkommen, hat jetzt die vielen Einzelabsagen aus allen Regionen des Bundeslandes systematisch erfasst und ausgewertet. Dabei ist herausgekommen, dass wegen personeller Engpässe im Durchschnitt von jedem Dienst 10,5 Absagen pro Monat ausgesprochen werden müssen. Das sind hochgerechnet insgesamt 9.000 Absagen gegenüber betroffenen Hilfebedürftigen, die Unterstützung in ihrem Zuhause suchen. Sicherlich wenden sich Pflegebedürftige nach einer Absage bei einem Dienst auch an andere Anbieter, aber die hohe Zahl der Absagen ist ein deutlicher Indikator für eine Notlage. Die Freie Wohlfahrtspflege will sich hiermit nicht abfinden und setzt sich dafür ein, die ambulante Pflege zu stärken.

„Jede Bitte um Hilfe, die wir nicht erfüllen können, ist für die Betroffenen ein Drama“, sagt Christian Heine-Göttelmann, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege NRW. „Auch die Angehörigen geraten in Not. Die ambulanten Pflegedienste arbeiten am Anschlag. Wir brauchen dringend mehr Pflegekräfte für die Betreuung in der eigenen Häuslichkeit.“

Der Vorsitzende der Kommission Pflegeversicherung, Eric Lanzrath, weist darauf hin, dass die ambulante Pflege viel mehr Aufmerksamkeit als bisher erfahren müsse. Wenn die ambulanten Dienste keine Kapazitäten mehr haben, müssten Menschen länger im Krankenhaus verbleiben oder von Angerhörigen betreut werden, die damit tendenziell überfordert sind, oder sie müssten in Tagespflegen oder Heime ausweichen. 

„Die ambulante Pflege muss durch Pflegekassen und Krankenkassen besser finanziert werden“, erklärt Eric Lanzrath. Ein Bündel von Maßnahmen müsse ergriffen werden, denn die Zahl von Menschen, die Hilfe zu Hause brauchen, wird in der älter werdenden Gesellschaft kontinuierlich ansteigen. „Pflege als Beruf“, so der Experte Lanzrath, „braucht mehr gesellschaftliche Akzeptanz. Die Pflegekräfte brauchen gute Arbeitsbedingungen und mehr Zeit für gute Pflege.“

 

Hintergrund: Die ambulanten Pflegedienste der Freien Wohlfahrtspflege versorgen mit ihren 850 Diensten im Jahr 2018 schätzungsweise 120.000 Menschen und damit mehr als die Hälfte aller auf häusliche Pflege Angewiesenen. Hier sind 16.000 Vollzeitkräfte tätig, davon rund 10.000 Fachkräfte.