Corona trifft die Armen hart

Wer sich in finanzieller Not befindet, hat weniger Möglichkeiten, sich gesund zu ernähren, hat mehr Stress und kämpft öfter mit schlechten Wohnverhältnissen. Die Corona-Pandemie macht wieder einmal deutlich, wie sehr sich prekäre Lebensumstände auf die Gesundheit auswirken können. Beim dritten Treffen von Menschen mit Armutserfahrungen, veranstaltet von der Freien Wohlfahrtspflege NRW, kamen in Köln Betroffene mit Gesundheits- und Politikexperten ins Gespräch.

07.07.2020

Dass das deutsche Gesundheitswesen eines der besten der Welt ist, zeigt sich auch wieder in der Corona-Krise. Doch reicht selbst dieses System nicht aus, um eine der größten Krankheitsursachen stärker einzudämmen – die Armut. Fakt ist auch hier: Wer lange ohne Job ist und kein Einkommen hat, ist häufiger krank als andere.

„Menschen in Armut haben ein höheres Risiko, sich mit dem Virus anzustecken, denn sie können den Infektionsquellen kaum ausweichen“, sagt Dr. Frank Johannes Hensel, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege NRW.

Auch fielen viele wichtige Kontakte und Hilfen in Zeiten des Lockdowns für die Betroffenen weg, Nöte vergrößerten sich dadurch umso mehr, so Hensel.

„Die Corona-Krise trifft diese Menschen besonders hart. Für viele ermöglicht nur der persönliche Kontakt zum Beispiel bei einem Jobcenter die benötigte Unterstützung. Dies muss – unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften wie an anderen Orten auch – unbedingt gewährleistet sein“, sagt Hensel. „Es kann nicht sein, dass Menschen praktisch von Hilfe ausgeschlossen werden, weil die Zugänge zu Behörden und Einrichtungen so erschwert bis unmöglich sind.“ sagt Hensel.

Ins Gespräch kamen die gut 30 Betroffenen beim Vernetzungstreffen auch mit Professor Dr. Nico Dragano vom Universitätsklinikum Düsseldorf und Kathrin Melchert vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW. Untereinander tauschten sie im Anschluss ihre Erfahrungen zu Ernährung, Wohnen und Arbeit aus und formulierten eigene Forderungen.

„Menschen mit Armutserfahrung müssen gehört werden und sie möchten an politischen Entscheidungen beteiligt sein“, fasst Michaela Hofmann, Armutsexpertin beim Diözesan-Caritasverband Köln eine der Kernforderungen zusammen. „Wir müssen soziale Ausgrenzungen bekämpfen und den starken Zusammenhang von Armut und Krankheit, gerade jetzt unter Covid-19, entschärfen.“

Hinweis: Die Fotogalerie vom 3. Treffen der Menschen mit Armutserfahrung finden Sie hier.

In der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW haben sich 16 Spitzenverbände in sechs Verbandsgruppen zusammengeschlossen. Mit ihren Einrichtungen und Diensten bieten sie eine flächendeckende Infrastruktur der Unterstützung für alle, vor allem aber für benachteiligte und hilfebedürftige Menschen an. Ziel der Arbeit der Freien Wohlfahrtspflege NRW ist die Weiterentwicklung der sozialen Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Sicherung bestehender Angebote. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW weist auf soziale Missstände hin, initiiert neue soziale Dienste und wirkt an der Sozialgesetzgebung mit.