Neue Armutsstatistik ist ein bedrückendes Signal

„Armut kann und darf nicht als individuelles Versagen abgetan werden, sondern muss gesellschaftlich energisch bekämpft werden“, sagt Dr. Frank Johannes Hensel, Vorsitzender der LAG Freie Wohlfahrtspflege NRW, zu den heute veröffentlichten Daten zur Armutsgefährdung. In NRW ist danach die Armutsgefährdungsquote im Zehn-Jahres-Vergleich von 15,5 auf 18,5 Prozent gestiegen. Hensel fordert eine bessere Sozialpolitik, um insbesondere Armut von Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen.

13.08.2020

Besonders armutsgefährdet sind Alleinerziehende, aber auch Familien mit vielen Kindern. „Das ist ein bedrückendes Signal“, sagte Hensel, weil der Armuts-Trend trotz des enormen Wirtschaftsbooms in den letzten Jahren vor der Corona-Krise nach oben zeige. „Auch hier in NRW schlägt das Armutsthema mit Macht auf“, sagte der Wohlfahrts-Chef. Das vor allem Alleinerziehende und Familien mit Kindern belastet seien, erkenne man auch daran, dass diese besonders häufig auf eine Schuldnerberatungsstelle angewiesen seien, so Hensel.

Die Freie Wohlfahrtspflege hält die Hartz-IV-Regelsätze für zu niedrig und die Berechnung für falsch. So müssten beispielsweise Energiekosten viele stärker berücksichtigt werden. „Gerade die Corona-Krise hat zudem deutlich gemacht, dass arme Kinder schlechtere Bildungschancen haben, weil ihnen Computer, Laptops und Drucker fehlen“, so Hensel. Wenn Alleinerziehende und Familien mit wenig Einkommen hier nicht mithalten könnten, habe das fatale Folgen für das gesellschaftliche Miteinander und Leistungsvermögen.

„Eine vorsorgende und unterstützende Sozialpolitik ist kein Verteilen von Almosen, sondern der mühsame aber dringend gebotene Korrekturversuch der ausufernden Ungleichheit. Jedes Kind hat ein Recht auf ein gutes Aufwachsen, betont Hensel.

Die Armutsgefährdung – gemessen an der Armutsgefährdungsquote – ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) im Zeitraum von 2009 bis 2019 in allen westlichen Bundesländern und in Berlin gestiegen. Wie weiter mitgeteilt wurde, hat sich der Anteil der von Armut bedrohten Menschen in Nordrhein-Westfalen von 2009 (15,2%) bis 2019 (18,5%) um 3,3, Prozent erhöht. Die Armutsgefährdungsquote ist ein Indikator zur Messung relativer Einkommensarmut.