Quartier zeigt Wirkung – Freie Wohlfahrtspflege NRW hat neues Instrumentarium entwickelt

Düsseldorf, 27. November 2018. Mitgliedseinrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege NRW haben in den vergangenen Jahren flächendeckend weit über hundert Quartiersprojekte initiiert, um das soziale Miteinander in den Städten zu fördern. Nun hat ein Projekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW ein Instrumentarium vorgestellt, mit dem Quartiersentwicklerinnen und -entwickler in die Lage versetzt werden, die Wirkungen ihrer Arbeit genauer zu erheben und darzustellen.

27.11.2018

Zu einer guten Quartiersentwicklung gehören neue Treffpunkte für ältere und jüngere Menschen genauso wie die Förderung von Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung. Solche Projekte tragen dazu bei, Lebensqualität in den Quartieren zu verbessern. Das wird in der Fachdiskussion einmütig anerkannt. Häufig bleiben aber Fragen offen: Wie wirken sich die Angebote auf das Leben der Menschen im Stadtteil konkret aus? Welche Wirkungen lassen sich nachweisen? Und welche Maßnahmen sind besonders erfolgreich?

Ein neues Verfahren zur wirkungsorientierten Selbstevaluation kann jetzt auf solche Fragen Antworten geben. Die im dreijährigen Projekt „WINQuartier“ entwickelten und erprobten Instrumente wurden heute in Düsseldorf auf einer Fachkonferenz vor Verantwortlichen aus allen Bereichen der kommunalen Sozialplanung vorgestellt.

„Mit dem neuen Instrumentarium können Quartiersprojekte ihre Arbeit laufend überprüfen und noch wirkungsvoller ausrichten. Und sie können die guten Wirkungen ihrer Arbeit leichter sichtbar machen. Unser Ziel ist, die Lebenssituation der Menschen im Viertel nachhaltig zu verbessern“, erklärt dazu Christian Heine-Göttelmann, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege NRW.

Ein Grundproblem von Quartierprojekten lässt sich mit den neuen Instrumenten nicht lösen, bedauert Uwe Hildebrandt, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Pflege, Gesundheit und Alter der Freien Wohlfahrtspflege NRW, bei der Eröffnung der Fachtagung. „Quartiersarbeit findet sehr häufig in befristeten Projekten statt. Die Wirkungen auf die Lebensqualität entstehen aber oft erst in längerfristigen Prozessen", gibt Hildebrandt zu bedenken.

Wo Quartiersarbeit Zeit hat, können auch nachhaltige Wirkungen gezeigt werden. Zum Beispiel in Düsseldorf-Benrath, das als Pilotstandort am Projekt „WINQuartier" beteiligt war. Dort werden schon seit über 20 Jahren Nachbarschaftsnetzwerke initiiert. Befragungen ergaben, dass alte Menschen, die regelmäßig dabei sind, familienähnliche Bindungen zu anderen Nachbarn aufbauen und in Notfällen Bekannte aus dem Netzwerk um konkrete Hilfe bitten können.

Ein Beispiel für kurzfristige Wirkungen wurde aus dem Pilotstandort Köln-Ehrenfeld vorgestellt. Im Rahmen des Projektes „Seniorenfreundliches Quartier Ehrenfeld“ wird in ausgewählten Cafés für alte Menschen mit wenig Geld kostenloser „Ehrenkaffee" angeboten, der von anderen Kunden gespendet wurde. Befragungen konnten zeigen, dass einzelne alte Menschen dadurch häufiger aus ihren vier Wänden kommen.

Alle Instrumente aus dem Projekt sind auf einer Webseite zu finden, die heute freigeschaltet wurde: www.winquartier.de. „Die Methoden sind hervorragend dargestellt und stehen allen Projekten frei zur Verfügung“, lobt Gabriele Winter vom Fachausschuss Senioren der Freien Wohlfahrtspflege NRW. Bei der Umsetzung durch Praktiker vor Ort werde es aber immer auch Beratungsbedarf in der Handhabung geben. Ihre Hoffnung, dass eine nachhaltige Finanzierung dafür gefunden werden kann, fand auf der Tagung langen Applaus der 140 teilnehmenden Expertinnen und Experten aus allen Regionen in NRW.

 

Hintergrund:

Das Forschungsprojekt „WINQuartier – Wirkung und Nutzen inklusiver Quartiersentwicklung“ wurde durch die Freie Wohlfahrtspflege NRW in Auftrag gegeben und von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW gefördert. Die Arbeiterwohlfahrt Westliches-Westfalen hat das Projekt im Auftrag der Freien Wohlfahrtspflege NRW umgesetzt.

Die Webseiten zum Projekt: www.winquartier.de