Drehscheibe Begegnungsstätte

Innovative Seniorenarbeit im Gemeinwesen

26.11.2009

Die sehr gut besuchte Veranstaltung wurde durch die Vorsitzende des UA Seniorenarbeit und -politik der LAG FW, Fr. Winter, eröffnet. Sie begrüßte die Referenten und Teilnehmenden. Sie würdigte anschließend den leider überraschend, kurz vor der Veranstaltung verstorbenen Kollegen Theo Hengesbach, Gründer des Kreuzviertel-Vereins in Dortmund und bat um eine Schweigeminute. Anschließend erfolgten Grußworte durch Herrn MD Dr. Christof Eichert, Leiter der Abteilung Integration und Generationen im MGFFI sowie durch den Vorsitzenden der LAG FW, Herrn Wolfgang Altenbernd.

Beide Redner betonten die Bedeutung einer Neuausrichtung der Begegnungsstättenarbeit im Zusammenhang mit den demografischen und strukturellen gesellschaftlichen Veränderungen. Begegnungsstätten müssen als wohnortnahe Haltepunkte, Begegnungs- und Hilfezentren im Stadtteil agieren. Sie nehmen für die Stärkung der Selbsthilfepotentiale einzelner Besucherinnen und Besucher, wie auch für den sozialen Zusammenhalt des jeweiligen Stadtviertels an Bedeutung zu. Auch die Bedeutung einer strukturübergreifend vernetzten, interprofessioneller Zusammenarbeit wurde mit Verweis durch Herrn Dr. Eichert auf eine hier schon fast angelegte Traditionen zwischen dem Ministerium für Generationen, Familie, Frauen, und Integration und Arbeitsgruppen der LAG FW als wegweisend hervorgehoben.

Den Grußworten folgte der Vortrag von Frau Prof. Dr. Kricheldorff, Prorektorin der KFH Freiburg zum Thema: "Begegnungsstätten - wohnortnahe Treffpunkte für soziale Teilhabe und Quartiersentwicklung". Fr. Prof. Kricheldorff leitete, ausgehend von demografischen Trends, veränderten Lebensbedingungen und -formen und den hiermit einhergehenden veränderten Wohn- und Lebensbedürfnisse der Menschen klare fachliche Orientierungen einer gemeinwesenorientierten Altenarbeit ab. Diese führen z.T. zu neuen Rollen und Aufgabenschwerpunkten zukunftsweisender Arbeit der Begegnungsstätten und damit auch zu neuen Profilen und Konzepten sowie zu veränderten strukturellen Vorgaben dieser Arbeit. Die Referentin machte klar: Begegnungsstätten nehmen eine Schlüsselrolle ein, wenn es um soziale Teilhabe Älterer geht. Sie sind Brückenbauer und agieren in höchstem Maße präventiv und integrierend. Es wird viel von ihnen erwartet und sie sind gerade auch im Gesundheitswesen nicht zuletzt als kostensenkender Faktor der zukunftsweisende Baustein der Altenhilfe. (Der Vortrag ist den Unterlagen beigefügt).

Dem Vortrag von Frau Prof. Kricheldorf folgte unter der Moderation der Journalistin Cornelia Benninghoven eine erste Diskussionsrunde mit Netzwerkpartnern der Arbeit der Begegnungsstätten. Diskutanten dieser Runde waren:

Aufgrund des kurzfristigen Ausfalls des zweiten Vortrags von Fr. Stieglitz, Alterssozialplanung der Stadt Mönchengladbach zum Thema: "Herausforderungen für die Arbeit der Begegnungsstätten aus kommunaler Sicht", folgte direkt nach der etwas verlängerten Mittagspause die zweite Diskussionsrunde mit Entscheidungsträgern im sozialen Bereich. In die für den Nachmittag verlängerte Diskussionsrunde wurden Fragen der Teilnehmenden miteinbezogen, die die Podiumsteilnehmer/Innen beantworteten.
Teilnehmende der 2. Diskussionsrunde waren:

Im Folgenden sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit einige der wesentlichen Diskussionspunkte aus beiden, sehr lebhaften Diskussionsrunden wiedergegeben:

Fragen der Profile und der Strukturierung von Begegnungsstätten.
Stichworte: Vom Leitbild des betreuten zum gestalteten Leben im Alter; neue Produktivität im Alter
Potentiale des Alters nach dem 5. Altenbericht; neue Kultur des Helfens mit Engagement und Beteiligung älterer- Gefahr neuer Verpflichtungsethik, Quartiersorientierung und notwendige Professionalität der Einrichtungsleiter/innen: auch Ehrenamtliche brauchen eine professionelle kontinuierliche Unterstützung; u.v.a.

Fragen nach inhaltlicher Ausrichtung und Öffnung der Begegnungsstätten für verschiedenste Nutzer:
Beispiel. Mehrgenerationenhaus: "Widerspricht ein Mehrgenerationenhaus nicht dem Anspruch, ein Seniorenzentrum zu sein? Ist das Mehrgenerationenhaus das Modell der Zukunft? (Hinweis auf die Notwendigkeit einer flexiblen Angebotsgestaltung im Sozialraum)

Beispiel. Migranten oder neue, noch nicht bekannte Interessengruppen, aber auch Thematisierung der Bereithaltung von Begegnungsräumen für "traditionelle Gruppen" wie Hochbetagte Menschen, oder Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Auch die Frage des oft zitierten "Kaffeetrinkens" wird thematisiert: Dieses Angebot wird z.B. als wichtiges Element der Begegnung und Information gerade für Hochbetagte oft unterschätzt. Es hat seinen Stellenwert gerade für diese Besuchergruppe, die wir nicht aus den Augen verlieren sollten. Es gilt bei allem: das Alte, Traditionelle dort, wo es sinnvoll und zielführend ist, weiterzupflegen und daneben neue Profile und Angebote je nach aktuellem Bedarf (weiter)entwickeln Niedrigschwelligkeit, Vertrauen über persönliche Kontakte sind wichtige Elemente, Schülerpatenschaften sollten gefördert werden, u.v.m. . Wichtig ist, anzuerkennen, dass es nicht die Begegnungsstätte geben kann. Begegnungsstätten sind so vielgestaltig wie die Region, in der sie sich befinden und wie der Bedarf, den sie antrifft. Begegnungsstätten sind  "Fachinstitutionen mit hochkomplexer Wahrnehmung und Anschluss an Familiensysteme".

Fragen nach Methoden der Erfassung und Bündelung der verschiedenen Interessen, die an eine Begegnungsstätte herangetragen werden.
Ein wesentlicher Gesichtspunkt: es gilt, Orte zu organisieren, an denen elementare Bedürfnisse befriedigt werden (Nahrung, Kontakte, Begegnung). Gerade hierüber werden viele potentielle Nutzer erreicht. Zum anderen geht es auch darum, einfach einmal zu beginnen, Zugehen auf mögliche Nutzer, Fragen stellen, Verbindende Element herausfiltern und bearbeiten u.a.m. Auf organisatorischer Ebene wird die Bildung runder Tische und der Bündelung der unterschiedlichen Vereine und Akteure im Viertel/Quartier immer bedeutsa-mer.
Um diese Prozesse zu beginnen braucht es  Professionalität, auch um prozessbezogen mit allen Nutzern arbeiten zu können.

Fragen nach der Eruierung vorhandener Ressourcen und deren Nutzung:
Es gilt, so die Teilnehmenden, genauer hinzuschauen, Talente zu entdecken und diese zu fördern. Hierbei sollte der eigene Blick auf Talente hinterfragt werden. Wie sieht hier unsere Wertung aus? Welche Talente und Fähigkeiten nehmen wir überhaupt wahr und werten sie als "verwertbar"? Und auch hier gilt es: Gesprächsforen bilden, Runde Tische im Quartier gründen mit den dort lebenden und agierenden Bewohnern, Vereinen, Ehrenamtliche Schlüsselpersonen, Interessen und Bedürfnisse erfassen. Auch die innere Haltung, mit der wir auf Menschen zugehen und hiermit Räume öffnen ist entscheidend für die gesamte Dynamik der Einrichtungen.

Nicht zuletzt wurden Fragen nach förderlichen Rahmenbedingungen und nach der Finanzierung der Begegnungsstätten diskutiert.
"Warum wird die Kinder- und Jugendarbeit öffentlich gefördert, die offene Seniorenarbeit aber nicht`? Es wurden Anfragen zur Notwendigkeit einer veränderten Einstellungspraxis gestellt: hin zur verstärkten Einstellungen von GWA-Arbeitern anstatt weiterer Einstellungen von Jugendarbeitern. Des Weiteren wurde auf die Bedeutung verstärkter Vernetzung, vor allem auf struktureller Ebene von Einrichtungen, Verbänden und Kommunen hingewiesen, die Gründung gemeinsamer Aktionsbündnisse gefordert, wie z.B. mit dem Projekt "Aktiv im Alter" verdeutlicht.

Zum wiederholten Male wurde auf die Notwendigkeit und Bedeutung professionellen Personals verwiesen: "Wir brauchen Leute, die vor allem für koordinatorische, moderierende Tätigkeiten und beratend zur Verfügung stehen! Hier wird auch die Kommune in der Pflicht gesehen im Rahmen ihrer Verantwortung für die Daseinsfürsorge. Es wurde klar: wir brauchen für dieserart gestaltete Arbeit der Begegnungsstätten auch wirksame "Außenmotoren", Verbündete, Kümmerer auf allen Ebenen. "Kümmerer statt Steine", so die Forderung an eine veränderte Praxis der Bauförderung. Nochmalige Hinweise auf die zukünftig noch an Bedeutung zunehmende strukturelle Vernetzung der Arbeit; nur in gegenseitigen Kooperationen lassen sich viele Fragen, auch Ökonomische angehen und bewältigen. Immer wieder wurden Fragen nach Berufsprofilen von Einrichtungsleitungen und förderliche Rahmenbedingungen hierfür diskutiert. Klar gesehen wurde die Notwendigkeit nachhaltig arbeitender hochprofessioneller Mitarbeiter/innen, die in der Lage sind, projekt- und prozessbezogen zu arbeiten.

Zum Abschluss erhielten alle Podiumsteilnehmer nochmals die Gelegenheit abschließend eine Aussage zu weiteren auf die eigenen Arbeitszusammenhänge bezogenen Aufgabenstellungen zu formulieren. Hier zusammenfassend einige Stichpunkte:

Es geht um Sensibilität und Neudenken auf allen Ebenen, um Begegnungsstättenarbeit "Klischeebefreit" zu bedenken und zu konzipieren; Wissenschaft muss verstärkt offene Recherche betreiben; die kommunale Ebene sieht die Notwendigkeit einer intergenerativen Debatte um Erhaltenswertes und um Neugestaltung- und Konzipierung und entsprechende Verwendung der Gelder; es sollten keine weiteren stationären Einrichtungen; sondern quartiersbezogene Veränderungen bestehender Objekte in Planung genommen werden. Herr Fettweis(MGFFI) verwies nochmals auf die Bedeutung einer guten Ideenbörse und Sammlung der Best-Practise-Beispiele und deren Vernetzung. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Entwicklung eines Finder-Portals, zur flächendeckenden Erfassung von Projekten der Kirchen, Kommunen, Vereine. Kontinuität der Arbeit und vertrauensvolle Zusammenarbeit sind, so Herr Fettweis, Pfeiler einer sich weiter entwickelnden Unterstützungsarbeit. Die Weiterarbeit im Seniorenpolitischen Netzwerk und insgesamt die weitere Vernetzung bewährter Akteure hält er für wesentliche Stützpunkte in diesem Bereich der Altenarbeit.
Von Teilnehmenden und Organisatoren wurde die Fachtagung trotz aller offensichtlichen und sich abzeichnender, auch haushaltsbedingten, Probleme als eine mutmachende, inspirierende, ideenreiche Veranstaltung eingeschätzt.

Dorothee Mausberg

Norbert Dyhringer
- Koordinator -
Kronenstraße 63-69
44139 Dortmund
Tel.: (02 31) 5483-245 pder -184
Fax: (02 31) 5483-189
E-Mail: