Freie Wohlfahrtspflege

Leitsätze

Leitsätze der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege des Landes Nordrhein-Westfalen:

  • Freie Wohlfahrtspflege arbeitet werteorientiert und schafft gesellschaftlichen Wertekonsens
  • Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege spiegeln die gesellschaftliche Pluralität
  • Bürgerschaftliches Engagement und Freie Wohlfahrtspflege gehören zusammen
  • Freie Wohlfahrtspflege mobilisiert Ressourcen und investiert in die Gemeinschaft
  • Betroffenenbeteiligung ist für Freie Wohlfahrtspflege unverzichtbar
  • Freie Wohlfahrtspflege sichert soziale Infrastruktur
  • Qualität ist in der Freien Wohlfahrtspflege Maßstab
  • Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege sind Garanten für innovative soziale Arbeit
  • Freie Wohlfahrtspflege steht für Dialog
  • Die Spitzenverbände übernehmen unverzichtbare Steuerungs- und Ordnungsfunktionen
  • Freie Wohlfahrtspflege stellt sich den Herausforderungen der Europäischen Integration
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Einrichtungen

Wer kennt nicht die Dienste und Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege: Die Erziehungsberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt, die ambulante Pflegestation der Diakonie, das katholische Krankenhaus der Caritas, der von den Eltern selbstorganisierte Kindergarten im Paritätischen oder das Altenheim der Jüdischen Kultusgemeinde und nicht zuletzt die Tagesstätte des Deutschen Roten Kreuzes. Aber wer weiß schon, dass alle diese Dienste und Einrichtungen unter dem gemeinsamen Dach der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen organisiert sind?

Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Der Paritätische, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonische Werke und Jüdische Kultusgemeinden haben sich mit ihren 17 Spitzenverbänden zu einer Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen zusammengefunden, die gemeinsame Ziele verfolgt: die Weiterentwicklung der sozialen Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Sicherung bestehender Angebote. Sie weist auf soziale Missstände hin, initiiert neue soziale Dienste und wirkt an der Sozialgesetzgebung mit. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Strukturwandel und für eine zukunftsfähige Entwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Der Staat hat die Verantwortung für vielfältige soziale Aufgaben. Diese werden in hohem Maße von der Freien Wohlfahrtspflege wahrgenommen, in manchen Arbeitsfeldern ist sie fast alleiniger Anbieter. Gemäß dem Subsidiaritätsprinzip sollen staatliche Stellen nur dann selbst tätig werden, wenn Bürger oder freie Träger dazu nicht in der Lage sind. Die Wahrnehmung sozialer Aufgaben durch die Wohlfahrtsverbände hat sich über Jahrzehnte bewährt. Sie ermöglicht ein vielfältigeres, international beispielhaftes Spektrum an sozialen Dienstleistungen, das vielen Menschen in Not Unterstützung und Nutzen bringt. Diese "Arbeitsteilung" rechnet sich aber auch für den Staat. Die Freie Wohlfahrtspflege bringt Eigenmittel ein und mobilisiert allein in NRW eine Million Bürgerinnen und Bürger, die sich freiwillig und unentgeltlich engagieren. Der hierdurch insgesamt geleistete Mehrwert liegt bundesweit deutlich im zweistelligen Milliardenbereich. Durch orts- und gemeindenahe Orientierung und Verankerung der Verbände werden frühzeitig soziale Probleme erkannt und gelöst.

Die Freie Wohlfahrtspflege in NRW ist ein nicht wegzudenkender wirtschaftspolitischer Faktor und schafft Beschäftigung. Sie ist aber kein Wohlfahrtskonzern, sondern lebt von der Eigenständigkeit und sozialen Kreativität der Dienste, Einrichtungen und Initiativen vor Ort. Diese sind häufig in Orts- oder Kreisverbänden regional organisiert. Örtliche Verbände und selbständige Einrichtungen werden von den 17 Spitzenverbänden beraten und vertreten. Freie Wohlfahrtspflege in NRW ermöglicht also die Balance zwischen verlässlichen, landesweit vergleichbaren sozialen Hilfen einerseits und der flexiblen Ausrichtung an örtlichen Gegebenheiten andererseits.

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Lobby für sozial Benachteiligte

Die Arbeitgeber organisieren sich in Unternehmerverbänden, und die Interessen der Arbeitnehmer werden von den Gewerkschaften vertreten. Aber welche Organisation erhebt die Stimme für Arme, Kinder, Jugendliche, Familien, Langzeitarbeitslose, junge Menschen ohne Arbeit oder Ausbildung, für Kranke, Menschen mit Behinderungen, Pflegebedürftige oder Flüchtlinge? Deren Stimme ist die Freie Wohlfahrtspflege. Sie bietet in ihren Diensten nicht nur Beratung und Unterstützung an, sondern vertritt auch sozialanwaltschaftlich die Interessen benachteiligter Menschen auf der lokalen Ebene und in der Landespolitik. Ziele sind dabei eine flächendeckende soziale Infrastruktur und gerechte Lebensverhältnisse für alle Menschen in NRW.

Vor Ort geschieht das auf vielfältige Art und Weise: durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, durch eine enge Zusammenarbeit mit den Ämtern von Kreisen und Kommunen, aber auch durch die Unterstützung von Gruppen sozial Benachteiligter, die ihre Anliegen selber vertreten wollen. Auf Landesebene bringt die Freie Wohlfahrtspflege NRW in den Gesetzgebungsverfahren die Interessen der Menschen ein, die soziale oder gesundheitliche Not leiden. In Fachtagungen und Aktionen weist sie auf vorbildliche Hilfemöglichkeiten und auf soziale Problemlagen hin. Sie erarbeitet eigene Vorschläge zur Formulierung von Gesetzen und Konzepten. Sie entwickelt soziale Arbeit in konstruktiver Auseinandersetzung mit der Landesregierung und den politischen Parteien stetig weiter.

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Wertorientiert und plural

Die historischen Wurzeln Freier Wohlfahrtspflege reichen bis in die Privatwohltätigkeit und Armenfürsorge des Mittelalters zurück. Wohl nicht von ungefähr sind die Wohlfahrtsverbände vor 70 bis 150 Jahren aus sozialem Engagement entstanden. Mit der industriellen Revolution ballten sich die sozialen Probleme in den Städten. Die Notwendigkeit eines Ausgleichs wurde offenkundig. Die Gründerinnen und Gründer hatten erkannt, dass soziales Tun neben aufopfernder ehrenamtlicher Arbeit auch eine professionelle Basis benötigt und nur eine aufeinander abgestimmte und professionell fundierte soziale Arbeit die massenhafte Not wirksam bekämpfen konnte.

Aus vielfältigen religiösen und weltanschaulichen Motiven stellten sich die Verbände der gesellschaftlichen Herausforderung. Für diesen Reichtum der Wertorientierungen tritt die Freie Wohlfahrtspflege bis heute ein.
So kann der Bürger nur zu einem Sozialamt gehen, aber zwischen den Diensten verschiedener Wohlfahrtsverbände wählen.
Die Wohlfahrtsverbände gründen auf Traditionen des Christentums, des Humanismus, des Judentums oder der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich ihren Grundhaltungen entsprechend im Verband ihres Vertrauens engagieren. Für die hilfebedürftigen Menschen ermöglicht die unterschiedliche Wertorientierung der Verbände, aus verschiedenen Angeboten und Arbeitsformen zu wählen und sich mit den jeweiligen Idealen zu identifizieren. Diesem, auch gesetzlich verankerten Wunsch- und Wahlrecht der Bürger fühlt sich die Freie Wohlfahrtspflege NRW nachhaltig verpflichtet.

Aus dieser Vielfalt erwächst zugleich ein Wettbewerb der Ideen und sozialen Ansätze, der die Fortentwicklung sozialer Arbeit immer wieder befruchtet.

Dank der Eigenständigkeit der einzelnen Wohlfahrtsverbände können sie sich in ihrer Arbeitsgemeinschaft glaubhaft für Pluralität und die Entwicklung gesellschaftlicher Werte einsetzen. Bei aller Vielfalt eint die Verbände das Ziel sozialer Gerechtigkeit. Sie halten eine kritische Distanz zum Staat. Gemeinsam kämpfen sie daher gegen die wachsende Kluft zwischen Armut und Reichtum, die unsere Gesellschaft spaltet und den sozialen Frieden bedroht. Vor allem für junge Menschen wollen sie Solidarität erfahrbar und Bedeutung gegenseitiger Verantwortung nachvollziehbar machen.

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Hilfe zur Selbsthilfe

Moderne Sozialarbeit, wie sie die Freie Wohlfahrtspflege NRW leistet, fragt nicht: "Wie kann ich Ihnen helfen?", sondern: "Wie kann ich Sie unterstützen, dass Sie sich selbst helfen können?" Sie eröffnet Menschen die Chance, ihr Leben selbst zu gestalten und aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben. So werden zum Beispiel Selbsthilfegruppen schon bei ihrer Gründung unterstützt und auf Wunsch in ihrer Arbeit begleitet.

Die Ressourcen der rat- und hilfesuchenden Menschen werden in den Einrichtungen und Diensten gefördert. Die Menschen werden ermutigt, ihre eigenen Stärken zu entdecken und zu nutzen. Konkret sieht das beispielsweise in der Erziehungshilfe so aus, dass während des Heimaufenthaltes eines Kindes zusammen mit den Eltern nach Auswegen aus der Familienkrise gesucht wird. Augenfällig wird das Prinzip auch in den Behindertenwerkstätten: Die behinderten Mitarbeiterinnen erhalten individuell angepasste technische Hilfsmittel, damit sie ihre Fähigkeiten nutzen können, am Markt konkurrenzfähige Produkte herzustellen.

Darüber hinaus sollen nicht nur die persönlichen Stärken genutzt, sondern das Wohnumfeld und die persönlichen Beziehungen einbezogen werden, um Krisensituationen zu meistern. Dies wird durch den sozialraumorientierten Ansatz Freier Wohlfahrtspflege gefördert.

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Soziales Bürgerschaftliches Engagement

Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW gründen im freiwilligen Engagement der Bürger. Auch wenn die Unübersichtlichkeit der sozialen Sicherungssysteme und die Spezialisierung der sozialen Arbeit zunehmend hauptamtlich Beschäftigte erfordert, bleibt das ehrenamtliche Prinzip in der Freien Wohlfahrtspflege lebendig.

Freiwillige leisten ihren Mitmenschen Rat und Hilfe. Sie erfahren in ihrem Wohnumfeld von sozialer Not und informieren - wenn sie selbst nicht helfen können - die Fachdienste. Sie geben Erfahrungen und Wissen weiter, in zumeist demokratisch bestimmten Vorständen tragen sie die verbandliche Philosophie, formulieren die Verbandspolitik und übernehmen Verantwortung.

Die Mitwirkung der Beteiligten ergibt sich für die Freie Wohlfahrtspflege NRW aus ihrem Selbstverständnis und ist für sie eine wichtige Voraussetzung, soziale Dienste erfolgreich anbieten zu können.
Die Wohlfahrtsverbände bringen mit Hilfe der vielen Freiwilligen einen erheblichen "Eigenanteil" ein, durch den sie soziale Dienste flexibler und ortsnäher anbieten können. Darüber hinaus übernehmen diese Freiwilligen in hohem Maße - kostenlose - Zusatzleistungen. Diese Zusatzleistungen "vervollständigen" oft die sozialen Dienstleistungen im Sinne einer ganzheitlichen Betreuung und Versorgung. Um Freiwillige in ihrer Arbeit zu unterstützen und sie für die steigenden Anforderungen an ihre soziale und fachliche Kompetenz zu rüsten, bieten die Wohlfahrtsverbände Begleitung und Fortbildung an. Mit neuen Formen des Ehrenamtes wird erfolgreich Nachwuchs geworben und den Wünschen nach aktiver, gleichwohl zeitlich begrenzter Mitwirkung entsprochen. So haben die Wohlfahrtsverbände an vielen Orten in den vergangenen Jahren Freiwilligenzentren gegründet oder das Leistungsspektrum im Zusammenhang mit Selbsthilfegruppen erweitert.

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Bedarfsorientiert, fachlich, qualifiziert

Die Arbeit mit und für Menschen unterscheidet sich deutlich von der Produktion von Gegenständen. Menschen lassen sich nicht "bearbeiten". Sie haben individuelle Wünsche, Bedürfnisse und Schwächen, auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter flexibel reagieren müssen. Das lässt sich nicht immer in DIN-Normen pressen - auch wenn z. B. im Bereich der Werkstätten für Behinderte eine Zertifizierung notwendig sein kann, um im Markt mithalten zu können. Leistung bedeutet für die Freie Wohlfahrtspflege NRW, die nach aktuellen fachlichen Standards bestmögliche, für den hilfebedürftigen Menschen passende und langfristig Erfolg versprechende Unterstützungsmöglichkeit zu gewährleisten. Der Dienst am Menschen verlangt zugleich, bei allen Vorgaben und finanziellem Druck dennoch Zeit zu haben für ein Gespräch, auch in Stresssituationen freundlich zu bleiben und über den eigenen Fachbereich hinaus weitere Hilfsmöglichkeiten zu erkennen und anzubieten.

Auch Freie Wohlfahrtspflege will ihre Arbeit rationalisieren und qualifizieren. Der Zweck dieser Anstrengungen ist aber nicht die Gewinnmaximierung, sondern Freiraum zu schaffen für Beziehungsarbeit. Nicht wirtschaftlicher Mehrwert, sondern menschlicher und gesellschaftlicher Mehrnutzen ist die Maxime Freier Wohlfahrtspflege.

Entsprechend zielt die Freie Wohlfahrtspflege darauf ab, dem Anspruch der Kundenorientierung, der Qualifizierung der Arbeit durch flächendeckende Beratung und Fortbildung und der Verantwortung vor dem Gemeinwohl gerecht zu werden und auf diese Weise qualitativ hochwertige Angebote verlässlich vorzuhalten und gezielt zu entwickeln.

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Mehr als 500 000 Arbeitsplätze mit Zukunft

In ihrer Gesamtheit stellen die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland mit 1,2 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die bundesweit größte Arbeitgebergruppe dar. Auch in NRW sind die knapp 500 000 Beschäftigten ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial. Kaum ein anderes Arbeitsfeld in Nordrhein-Westfalen bietet mehr Menschen Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten - und das im Zukunftsfeld Dienstleistung.

Allein in der Kranken- und Altenpflege ist ein Drittel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Freien Wohlfahrtspflege in NRW beschäftigt. Angesichts immer mehr älterer und pflegebedürftiger Menschen und der weiter ansteigenden Lebenserwartung ist in der Zukunft mit wachsendem Bedarf zu rechnen.
Neue Arbeitsplätze werden für Arbeitslose im Umfeld gesundheitlicher und sozialer Dienste als personenbezogene Dienstleistungen geschaffen.

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Bewusst zwischen Markt und Staat

Die als gemeinnützig anerkannte Freie Wohlfahrtspflege NRW behauptet selbstbewusst ihre Rolle zwischen Markt und Staat. Schnelle und unbürokratische Hilfe, professionell geleistet und mit bürgerschaftlichem Engagement unterstützt: Das sind die Stärken der Wohlfahrtsverbände.

Verschiedene politische Gruppierungen wollen zunehmend Aufgabenfelder der Freien Wohlfahrtsverbände dem freien Markt öffnen. Sie hoffen darauf, dass dadurch Leistungen automatisch kostengünstiger und bedarfsgerechter erbracht werden. Vor allem die Pflegeversicherung hat hier eine Vorreiterrolle gespielt.

Gewerbliche Pflegedienste und die der Freien Wohlfahrtspflege konkurrieren miteinander, ihre Preise und Leistungen sind jedoch streng reglementiert. Das birgt zum Beispiel die Gefahr, dass gewerbliche Pflegedienste wegen der kürzeren Fahrwege vornehmlich "Kunden" in den Ballungsräumen gewinnen (hier kann häufig ein wirtschaftlich preiswerteres Angebot vorgehalten werden), die Freien Wohlfahrtsverbände dagegen ihrem Selbstverständnis nach jeden Pflegebedürftigen aufnehmen, auch wenn längere Wegstrecken von den Kranken- und Pflegekassen nicht vergütet werden. Die Wohlfahrtsverbände geraten dadurch erheblich unter Kostendruck und werden in Einzelfällen vom "Markt" verdrängt.

Grundsätzlich nimmt die Freie Wohlfahrtspflege NRW die Herausforderung des Marktes an und begreift sie als Chance, um ihre Dienste auch betriebswirtschaftlich weiterzuentwickeln. Sie wird aber gleichzeitig immer als Anwalt für Benachteiligte eintreten und sie in der Wahrnehmung ihrer Rechte unterstützen und fördern. Das ist besonders wichtig mit Blick auf die zu erwartenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen, die sich nicht zuletzt durch das Zusammenwachsen in der Europäischen Gemeinschaft ergeben.

Die Freie Wohlfahrtspflege NRW unterstützt die europäische Integration. Sie setzt sich dafür ein, dass Europa nicht allein als Wirtschaftsraum, sondern vor allem als sozialer Lebensraum verstanden wird. Das geschieht in enger Abstimmung mit den Nachbarländern Niederlande und Belgien. Wo notwendig und sinnvoll, werden soziale Arbeitsfelder grenzüberschreitend organisiert.

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Finanzierung

Die Finanzierung der sozialen Sicherung in Deutschland wird vor allem wegen arbeitsmarktpolitischer und demografischer Probleme immer schwieriger. Wachsende soziale Aufgaben bei gleichbleibenden oder geringeren Einnahmemöglichkeiten belasten auch die Verbände und Einrichtungen substanziell.

Der größte Teil der Einnahmen sind Leistungsentgelte, zum Beispiel die Pflegesätze der Kranken- und Pflegekassen in den Krankenhäusern und Altenheimen, die Entgelte von der Sozialhilfe für die Betreuung und Eingliederung von Menschen mit Behinderungen oder die Vergütungen für die Beratungsleistungen in Erziehungsberatungsstellen durch das Jugendamt. Außerdem werden bezogen auf spezielle Maßnahmen und Programme Zuschüsse durch das Land, die Kreise und Kommunen gewährt. Diese Entgelte und Zuschüsse halten mit den allgemeinen Kostensteigerungen in der Bundesrepublik nicht Schritt. Hieraus resultieren die zentralen Finanzierungsprobleme für die Einrichtungen und Dienste der Freien Wohlfahrtspflege.
Daneben bringt die Freie Wohlfahrtspflege in hohem Umfang Eigenmittel ein. Diese gewinnt sie durch Mitgliedsbeiträge und Spenden sowie durch die Zahlungen der hinter ihnen stehenden Organisationen. Im Fall der Diakonie und Caritas sind das beispielsweise die evangelische und katholische Kirche und deren Gemeinden.

Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, die die örtlichen Verbände beraten und vertreten, bekommen Pauschalzahlungen vom Land NRW, die sogenannten "Globaldotationen". Diese Zuwendung dient zum Aufbau einer sozialen Infrastruktur, die ein wesentliches Kennzeichen des Landes NRW darstellt. Darüber hinaus erhalten sie einen Teil der Einnahmen aus der Lotterie Spiel 77.

Sofern in einzelnen Arbeitsfeldern Überschüsse erwirtschaftet werden können, werden diese entsprechend der Gemeinnützigkeit wieder für soziale Dienste eingesetzt. Daraus folgt, dass alle der Freien Wohlfahrtspflege zur Verfügung gestellten Mittel nachhaltige positive Effekte bewirken bzw. grundsätzlich immer wieder der Allgemeinheit zugute kommen.

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