Mit dem ab August 2026 geltenden Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung für Kinder im Grundschulalter steht das System der Offenen Ganztagsschulen vor einem tiefgreifenden Wandel. Der notwendige Ausbau von Plätzen, Angeboten und Personal stellt Träger, Kommunen und das Land vor große Herausforderungen.
Bereits heute ist der Arbeitsmarkt im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe durch einen erheblichen Fachkräftemangel geprägt. In vielen Regionen können offene Stellen nicht mehr adäquat besetzt werden. Ohne eine gezielte Ausbildungsoffensive droht sich dieser Engpass weiter zu verschärfen.
Vor diesem Hintergrund spricht sich die Freie Wohlfahrtspflege NRW dafür aus, analog zu den Regelungen im Kita-Bereich auch an Offenen Ganztagsschulen Ausbildungsplätze im Rahmen der praxisintegrierten Ausbildung (PiA) einzurichten und diese zu finanzieren. Damit wird die OGS systematisch zu einem Ort, an dem Fachkräfte ausgebildet und nachhaltig an das Arbeitsfeld gebunden werden.
Argumente für eine Stärkung der praxisintegrierten Ausbildung (PiA) in Offenen Ganztagsschulen
PiA als Instrument zur nachhaltigen Fachkräftegewinnung: Die praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher verbindet schulische Ausbildung mit einer vergüteten Praxistätigkeit. Vorteile der PiA-Ausbildung liegen in frühzeitigen Praxiserfahrungen, einer finanziellen Absicherung der Auszubildenden, einer Bindung an den Ausbildungsbetrieb und geringeren Abbruchquoten.
Sicherung des Fachkräftenachwuchses: Durch den Einsatz einer PiA-Kraft pro OGS wird jede Einrichtung systematisch in die Ausbildung eingebunden. So entstehen kontinuierliche Ausbildungskapazitäten, die den regionalen Fachkräftenachwuchs absichern. Die OGS wird damit zu einem aktiven Lern- und Ausbildungsort.
Entlastung der bestehenden Teams: PiA-Kräfte leisten – unter fachlicher Anleitung – einen unmittelbaren Beitrag zur pädagogischen Arbeit. Sie unterstützen im pädagogischen Alltag und tragen zur Stabilisierung der Personalstruktur bei.
Qualitätsentwicklung in der Ganztagsbetreuung: Die systematische Ausbildung vor Ort stärkt pädagogische Standards, fördert Reflexion und Innovation und trägt zur langfristigen Qualitätsentwicklung bei. Ausbildung und Praxis werden enger verzahnt und auf die spezifischen Anforderungen des Ganztags abgestimmt. Zudem kann durch den Einsatz der PiA-Kräfte die Verzahnung der OGS-Angebote mit dem schulischen Unterricht verstärkt werden.
Attraktivitätssteigerung des Arbeitsfeldes OGS: Ein klar sichtbares Ausbildungsangebot signalisiert Wertschätzung und Perspektive. Sie macht die OGS als Arbeits- und Ausbildungsort attraktiver, trägt zu einer Professionalisierung des Arbeitsfeldes bei und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen sozialen Arbeitsfeldern.
Finanzierung: Die Ermöglichung einer PiA-Stelle an jeder OGS ist ein wirksamer, konstruktiver und langfristiger Ansatz zur Fachkräftesicherung. Damit dieser Ansatz trag-fähig ist, benötigt er eine verlässliche anteilige Finanzierung durch das Land, die dauerhaft und planbar ist, nicht allein zu Lasten der Kommunen und Träger geht, den zusätzlichen Aufwand der Praxisanleitung berücksichtigt und unbürokratisch gestaltet ist.
Fazit
Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 ist eine große bildungspolitische Chance. Damit er gelingt, braucht es eine nachhaltige Ausbildungsstrategie. Eine PiA-Ausbildungsstelle pro OGS-Schule ist ein konstruktiver, realistischer und zu-kunftsweisender Baustein dieser Strategie.
Die Umsetzung soll in enger Kooperation zwischen Land, Kommunen, freien Trägern und Fachschulen erfolgen. Bestehende Ausbildungsstrukturen sind zu stärken und weiterzuentwickeln, damit der Offene Ganztag auch künftig verlässlich, qualitätsvoll und attraktiv bleibt. Dafür braucht es eine verlässliche und dauerhafte landesweite Finanzierung.