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Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege des Landes Nordrhein-Westfalen e. V. | Veranstaltungen

Veranstaltungen zur Landtagswahl

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Rückblick:

Jugend braucht Chancen

Die Pandemie hat viele bereits zuvor bestehende Probleme für Jugendliche im Bereich Übergang Schule-Beruf verschärft. Dazu reicht ein Blick auf die Zahlen am Ausbildungsmarkt oder auf die Prognose der Jugendämter in Deutschland, die eine Verdopplung der Schulabbrecher*innen auf 210.000 voraussagen.

Aus diesem Grund hat die Freie Wohlfahrtspflege NRW im Vorfeld der Landtagswahl Politiker*innen eingeladen, mit jungen Menschen aus Einrichtungen der beruflichen Eingliederung ins Gespräch zu kommen.Nach dem direkten Austausch zwischen Jugendlichen und Politiker*innen stießen Sozialarbeiter*innen, Fachanleiter*innen sowie Vertreter*innen der Spitzenverbände dazu, um über neue Anregungen für einen gelungenen Übergang von der Schule in den Beruf zu diskutieren, der den jungen Erwachsenen Teilhabe und einen nachhaltigen Einstieg in die berufliche Erstausbildung sichert.

Anja Butschkau (SPD) fuhr mit Alex (17) in der Rikscha, Jens Kamieth (CDU) und Volkan Baran (SPD) traten am Kicker gegeneinander an. Wobei die Konzentration der beiden Landtagskandidaten ein bisschen unter den Gesprächen mit ihren jugendlichen Mitspielern litt. Kreative Wege ging die Landesarbeits¬gemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW vor der Wahl, um im Bernhard-März-Haus der Caritas Dortmund Politiker*innen und junge Erwachsene zum Thema „Jugend braucht Chancen“ miteinander ins Gespräch zu bringen. Ein gelungenes Experiment im Vergleich zu den üblichen Podiumsveranstaltungen, so fasste es Ulrich Reuter (FDP) für alle teilnehmenden Kandidaten zusammen: „Zehn Minuten Gespräch hier waren viel gewinnbringender, hier sind wir nah an den Menschen.“

Insgesamt ging es um die Frage „welche Perspektiven braucht die Jugend und welche Politik ermöglicht Chancen“, wie es Josef Lüttig, Vorsitzender des Ausschusses Arbeit/Arbeitslosigkeit der Freien Wohlfahrtspflege NRW zu Beginn sagte. In einer Reihe von Veranstaltungen zur Landtagswahl der Freien Wohlfahrtspflege NRW hatte die Caritas das Thema Jugend übernommen. Die hier wichtigen Aspekte sprach Lüttig gleich an mit digitaler Teilhabe und dem Übergang von der Schule in den Beruf.

Dazu waren die Folgen der Corona-Pandemie immer wieder Thema. Wolfgang Jörg (SPD), der das Format „cool“ fand, benannte die Corona-Folgen als „größte Baustelle“ der Politik. Jugendliche müssten wieder normal leben und Spaß haben können, um aus „guter Laune heraus motiviert zu sein, sich einen Beruf zu suchen.“

Alle Landtagskandidat*innen waren sich einig, dass sie dazu die Chance bekommen müssen. Im Wie und ob es sie tatsächlich für alle gibt, zeigten sich die politischen Differenzen. Während Nils Mehrer (FDP) die derzeitige Landesregierung mit 60 Talentschulen auf gutem Wege sieht und als Ziel für mehr Chancengerechtigkeit tausend Talentschulen ankündigte, hält Petra Backhoff (Bündnis90/Die Grünen) „Schule für den Ort der Bildungsungerechtigkeit schlechthin“. Viel zu früh werde hier ausgesiebt. Im Grunde beginne die Ungerechtigkeit schon mit dem Tag der Geburt.

Volkan Baran (SPD) unterstützte die Kritik: „Jede Schule muss Talentschule sein“, Er forderte eine Begleitung der Ausbildung für alle Jugendlichen, noch besser wären Bildungslotsen schon ab der Kita. Auch Schulleitungen in Talentschulen klagten über Probleme, erklärte Gönül Eglence (Bündnis 90/Die Grünen). Letztlich brauche es mehr Pädagog*innen. Notwendig ist dazu nach Auffassung von Katrin Lögering (Bündnis 90/Die Grünen) nicht zuletzt eine gleiche Bezahlung der Lehrkräfte in Grund- und weiterführenden Schulen und die Öffnung für Quereinsteiger.

Wie Anja Butschkau (SPD) forderten mehrere Kandidat*innen, dass jeder Jugendliche, auch wenn er keinen Schulabschluss habe, eine Chance auf eine Ausbildung oder zumindest Beschäftigung bekommen muss. Josef Lüttig, der Paderborner Diözesan-Caritasdirektor ist, hatte einleitend schon darauf hingewiesen, dass es dafür gute Projekte gebe. „Die dürfen nicht enden mit einer neuen Landesregierung“, mahnte er.

Dass es diese Fragen sind, die die jungen Erwachsenen umtreiben, erlebten die Landtagskandidaten hautnah. Jens Kamieth (CDU) fand es wichtig und gewinnbringend, „dass man mal eine andere Rolle annehmen muss.“ Vielfalt und Zusammenhalt seien wichtig in der Gesellschaft. Das Stichwort konnte Moderatorin Giulia Maira, Koordinatorin des Arbeitsausschusses Arbeit/Arbeitslosigkeit der Freien Wohlfahrtspflege NRW, direkt aufgreifen, um die Landtagskandidat*innen mit „Vielfalt-Socken“ und die Jugendlichen mit Kinogutscheinen zu verabschieden.

 

Ansprechperson

Giulia Maira
Koordination des Arbeitsausschusses Arbeit/Arbeitslosigkeit der Freien Wohlfahrtspflege NRW
E-Mail: giulia.maira@caritas-paderborn.de

Offener Ganztag ohne Lücken: Rechtsanspruch trotz Fachkräftemangel?

Lösungsvorschläge für das nächste Jahrzehnt

Ein Politik-Talk der Freien Wohlfahrtspflege zur NRW-Landtagswahl

In den Erziehungsberufen ist der enorme Fachkraftbedarf jetzt schon spürbar. Wie knapp das Personal in Kitas und OGS bemessen ist, hat die Corona-Pandemie ganz deutlich gezeigt. Mit dem erfreulichen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung für alle Grundschulkinder ab dem Schuljahr 2026/27 wird sich dieser Trend verschärfen. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW hat dieses wichtige Thema, von dem nahezu alle Familien mit kleinen Kindern in NRW betroffen sind, kurz vor der NRW-Wahl im Mai 2022 mit Olaf Lehne (CDU), Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD), Ralph Bombis (FDP) und Lena Zingsheim (Bündnis 90/Die Grünen) vor dem Hintergrund neuer Ansätze und mit Lösungsvorschlägen aus Wissenschaft und Praxis diskutiert. Aus der Freien Wohlfahrtspflege NRW waren unter anderem Heinz-Josef Kessmann (Diözesancaritasdirektor im Caritasverband für die Diözese Münster), Regina Kluck (Bildungsreferentin im Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe und Sprecherin des Landesarbeitskreises FSJ/BFD in NRW), Prof. Dr. Dirk Michael Nüsken (Professor für Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe) und Dr. Ludwig A. Wenzel (Schulleiter Berufskolleg Bleibergquelle (Velbert)) dabei.

16.000 Fachkräfte bis 2026

Kurz vor der jüngsten Bundestagswahl hatten sich Bundestag und Bundesrat auf einen Rechtsanspruch zur Ganztagsbetreuung für alle Kinder in der Grundschule geeinigt. Er startet schrittweise ab dem Schuljahr 2026/27, beginnend mit der ersten Klasse. Eltern haben damit die Garantie, dass ihre Kinder auch am Nachmittag betreut werden können, wenn sie das wünschen.

Um den zu erwartenden Bedarf in NRW zu decken, müssen in den kommenden Jahren 5.000 bis 9.000 neue Vollzeitstellen geschaffen werden. Das entspricht etwa 10.000 bis 16.000 neuen Fachkräften, da in diesem Bereich besonders häufig in Teilzeit gearbeitet wird. Das rechnet Dirk Nüsken, Professor für Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule Bochum, zu Beginn der Veranstaltung vor.

Wie die nächste Landesregierung es schaffen will, in nur vier Jahren so viele neue Fachkräfte zu finden, auszubilden – und dann auch in diesen Jobs zu halten, ist eine der Kernfragen für die Zukunft des Offenen Ganztags und anderer Erziehungsberufe in NRW.

Quantitativer Ausbau nicht ohne Qualität

Bislang sei die Qualität des Offenen Ganztags in NRW noch sehr unterschiedlich, kritisierte Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD). Denn einen einheitlichen, gesetzlich festgelegten Standard gibt es für die OGS bisher nicht – im Gegensatz zum Kitabereich.

Lena Zingsheim wies darauf hin, dass für eine gute Umsetzung der Ganztagsbetreuung Kooperationen notwendig sind. "Wir müssen auch über Multiprofessionalität sprechen. Und multiprofessionelle Teams mit den Schulen verzahnen", sagte die Grünen-Direktkandidatin aus Mönchengladbach. Der Schultag könne auch neu gestaltet werden: Statt den Tag in Unterricht am Vormittag und Betreuung am Nachmittag zu teilen, kann auch beides rhythmisiert über den Tag verteilt stattfinden.

Problem Fachkräftemangel

Ralph Bombis plädierte dafür, die Organisation des Ganztags als Weg zu beschreiben, an dessen Ende eine möglichst optimale Betreuung steht. "Wir werden nicht morgen schon überall ideale räumliche oder finanzielle Voraussetzungen haben und wir werden schon gar nicht direkt über die notwendigen Fachkräfte verfügen", sagte der FDP-Landtagsabgeordnete, der als einziger aus der Runde nicht erneut kandidiert.

Mehr Lehrkräfte einzustellen sei nur ein Teil der Lösung, erklärte Olaf Lehne. "Wir müssen auch über Mindeststandards diskutieren", betonte der haushalts- und finanzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion NRW. Die Standardisierung hänge von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von der Finanzierung.

Ausbildung vorantreiben

Auf strukturelle Probleme bei der Ausbildung von angehenden Betreuungskräften wies Ludwig Wenzel hin, Schulleiter des evangelischen Berufskollegs Bleibergquelle in Velbert. Praktika müssen ganztägig stattfinden, im Offenen Ganztag sind die Fachkräfte bisher aber nur halbtags beschäftigt. Deshalb könnten viele seiner Schülerinnen und Schüler dort bislang keine Erfahrungen sammeln, kritisierte der Schulleiter.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Eva-Maria Voigt-Küppers, kennt das Problem um den Ausbildungs-Nachwuchs auch aus ihrem Aachener Wahlkreis. Sie sprach sich dafür aus, angehende Erzieherinnen und Erzieher schon während der Ausbildung zu bezahlen.

Schon jetzt investiere die Politik in die Ausbildung, sagte der CDU-Finanzexperte Olaf Lehne. In der letzten Legislaturperiode seien viele neue Studien- und Ausbildungsplätze geschaffen worden. Lena Zingsheim (Bündnis 90/Die Grünen) hingegen unterstrich, dass gleichzeitig noch nie so viele Stellen unbesetzt gewesen seien wie aktuell.

Freiwilligendienst als Einstieg

Ein guter Weg, um künftiges Personal auf soziale Berufe aufmerksam zu machen, sind Freiwilligendienste: Fast 40 Prozent derer, die ein Jahr als Freiwillige in sozialen Berufen absolvieren, entscheiden sich später für ein Studium oder eine Ausbildung in diesem Bereich.

Da es in NRW aber keine Landesförderung für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) gibt, können sich viele Einsatzstellen, vor allem im Bereich Kita und OGS, keine Freiwilligen leisten. "So können wir leider vielen jungen Leuten keinen Platz in diesem Bereich anbieten, die sich gerne dafür entschieden hätten", sagte Regina Kluck, Referentin für Freiwilligendienste bei der Diakonie RWL. Das Interesse sei groß: "Wir müssen jedes Jahr etwa 200 Bewerbern absagen."

Auch hier bestand Einigkeit zwischen den Parteivertreter*innen. "Da müssen wir nacharbeiten", unterstrich etwa Lena Zingsheim (Bündnis 90/Die Grünen). Olaf Lehne (CDU) und Ralph Bombis (FDP) sprachen sich dafür aus, in dieser Frage von anderen Bundesländern zu lernen. Und alle betonten: Bis der Rechtsanspruch in vier Jahren greift, hat die Politik noch viele Aufgaben zu meistern.

 

Zentrale Forderungen zur Landtagswahl

Für eine gute OGS: Pädagogische Standards setzen, den Offenen Ganztag mit der Schule verzahnen und mehr Personal gewinnen. Hier finden Sie die Forderungen im Arbeitsfeld Offene Ganztagsschulen (OGS): PDF-Download

Recht auf Freiwilligendienst, Freiwilligendienste fördern, Fachkräftemangel entgegenwirken. Hier finden Sie Forderungen zu den Freiwilligendiensten: PDF-Download

 

Programm und Dokumentation

Vom Best-of bis zum kompletten Video: zur Playlist bei Youtube

Zur Bildergalerie geht es hier: Bildergalerie

Die vollständige Einladung finden Sie hier: PDF-Download

 

Ansprechperson

Tim Rietzke

Vorsitzender des Arbeitsausschusses Familie, Jugend und Frauen der Freien Wohlfahrtspflege NRW

E-Mail: t.rietzke@diakonie-rwl.de

Telefon: 0211 63 98 603

 

Heimat ohne Grenzen denken - Perspektiven einer gelingenden Integrations- und Geflüchtetenpolitik in NRW

Ein Praxis-trifft-Politik-Talk der Freien Wohlfahrtspflege zur NRW-Landtagswahl

Ob Asylstufenplan, Spurwechsel oder Kommunales Integrationsmanagement KIM: Welche Integrations- und Geflüchteten-Politik erwartet die Wähler*innen bei den verschiedenen Parteien? Und welche Antworten haben Fachpolitiker*innen und Kandidierende auf die derzeit wichtigsten sozialen Fragen im Handlungsfeld Flucht und Integration? Am 29. März 2022 hat die Freie Wohlfahrtspflege NRW zur hybriden Wahl-Diskussion mit Politikerinnen und Politikern von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken eingeladen. Beim Talk mit Expert*innen aus der Praxis waren dabei: Heike Wermer (CDU), Lisa-Kristin Kapteinat (SPD), Christian Mangen (FDP), Berivan Aymaz (Bündnis 90/Die Grünen) und Fotis Matentzoglou (Die Linke). Es moderierte der Journalist Uwe Schulz (WDR 5). Passend zum Thema fand die Veranstaltung im Kultur- und Bildungszentrum "Agora" in Castrop-Rauxel statt, ein Leuchtturmprojekt für gelungene Integrationsarbeit.

Antidiskriminierungspolitik stringent weiterentwickeln

Wie können wir verhindern, dass Menschen in NRW Diskriminierung erfahren? Zu Wort kamen hierzu die "Agora"-Mitarbeitenden Zübeyde Duyar und Thorsten Schnelle sowie Sebastian Mohr von der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Diskriminierung aufgrund von Religion, Herkunft oder ihres Äußeren begleite leider sehr viele Menschen, kritisierten die Expert*innen. Aktuell fehle – etwa wenn diese von Behörden ausgehe – noch die Möglichkeit, sich dagegen effektiv zur Wehr zu setzen. Hier setzt auch eine Forderung der LAGFW an die künftige Landesregierung an: Sie pocht auf einer zentralen Stelle für Antidiskriminierungsarbeit und einem Landesantidiskriminierungsgesetz.

Dem schlossen sich Grüne, SPD und Linke an. Berivan Aymaz (Grüne) hält ein umfassendes Maßnahmenpaket für sinnvoll. Auch ein Gesetz sei wichtig, allein schon, um bestehende EU-Richtlinien umzusetzen. Lisa-Kristin Kapteinat (SPD) sieht die Chance einer zentralen Stelle auch darin, Entwicklungen im Auge behalten zu können und damit rechtzeitig zu erkennen, wo etwas falsch läuft. Fotis Matentzoglou (Linke) bezeichnete ein Antidiskriminierungsgesetz als längst überfällig – gerade mit Blick auf Fälle von Racial Profiling durch die Polizei. Heike Wermer (CDU) hingegen wies auf die bereits bestehenden Angebote und Strukturen hin, die verstetigt und gestärkt werden sollten.

Aufenthalt in Landesunterkünften begrenzen

Wenn Menschen nach Deutschland fliehen, kommen sie am Anfang in den Zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) unter. Lena Ottensmeier, Mitarbeiterin der gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender in Münster, beklagte, dass die Menschen dort verelendeten. "Diese Einrichtungen machen krank", betonte sie. Oftmals müssen Asylsuchende dort viele Monate verharren und dürfen nur eingeschränkt über ihren eigenen Alltag bestimmen. Auch die LAGFW fordert, die Aufenthaltsdauer in den Zentralen Unterbringungseinrichtungen auf höchstens drei Monate zu beschränken und die Erstaufnahme vom "Rückkehrmanagement" zu trennen – denn Abschiebungen aus diesen Einrichtungen seien für die Betroffenen traumatische Erlebnisse.

Zustimmend äußerten sich erneut die Politiker*innen von Linke und Grüne: Fotis Matentzoglou kritisierte, in den ZUE entstehe Desintegration und Perspektivlosigkeit. Er sprach sich dafür aus, die Aufenthaltsdauer auf vier Wochen zu begrenzen. Berivan Aymaz verwies auf das ursprüngliche Ziel der Einrichtungen, die Kommunen zu entlasten. Mittlerweile habe sich aber gezeigt, dass das nicht erreicht werde: Wenn die Menschen aus den Einrichtungen in die Kommune kommen, brauchen sie nach Einschätzung von Aymaz oft lange Zeit und viel Unterstützung, um im Alltag Fuß zu fassen. CDU-Politikerin Heike Wermer betonte, die Einrichtungen brächten Ordnung in die Asylverfahren und erleichterten die Abschiebung der Menschen ohne Anspruch auf Asyl.

Humanitäres Bleiberecht weiter öffnen

Neben den Unterkünften war auch die Integration von Geflüchteten und Asylsuchenden in Arbeit und Ausbildung Thema. Im Fallbeispiel ging es um Ibrahim Touré, der seit fünf Jahren in Deutschland lebt und nach erfolgreicher Ausbildung plötzlich keine Arbeitserlaubnis mehr bekommen sollte, weil etwas mit seinen Papieren nicht stimme. Das höre er immer wieder, kritisierte Diakonie RWL Migrationsexperte Dietrich Eckeberg: "Das ist kein Einzelfall, denn die hohen Auflagen zur Beschaffung von Dokumenten aus problematischen Herkunftsländern sind von den Betroffenen oft kaum zu erfüllen."

Auch Christian Mangen (FDP) betonte, wer eine Ausbildung abgeschlossen habe und alle anderen Voraussetzungen zur Integration erfülle, müsse bleibe dürfen. "Wir müssen nicht nur Gesetze ändern, sondern auch Haltungen", unterstrich er. SPD-Politikerin Lisa-Kristin Kapteinat verwies auf Pläne der neuen Bundesregierung, diese Situation zu verbessern. Bis dahin müsse sich die nächste Landesregierung mit einem "Vorgriffserlass" behelfen, um gut integrierte Geflüchtete vor drohenden Abschiebungen zu schützen.

Vor Ort enger zusammenarbeiten

Auch Thema in der Diskussion war die Finanzierung der Integrationsarbeit und das 2020 eingeführte Kommunale Integrationsmanagement (KIM). Ricarda Erdmann von der Integrationsagentur der AWO Dortmund forderte eine bessere Zusammenarbeit. Die kommunale Integrationsarbeit finde oft nicht partnerschaftlich mit der Freien Wohlfahrtspflege statt, sondern ignoriere sie teilweise und baue unnütze Parallelstrukturen auf, kritisierte sie.

Gegen Doppelstrukturen sprach sich auch Heike Wermer (CDU) aus. Vieles müsse sich erst noch einspielen. Die Kommunen sollten die Arbeit der Freien Wohlfahrt ergänzen und nicht überschneiden, betonte sie. Lisa-Kristin Kapteinat (SPD) appellierte an die Landesregierung, klare Anweisungen im KIM zu formulieren, damit alle Akteure vor Ort besser zusammenarbeiten. Auch Berivan Aymaz (Grüne) plädierte für eine partnerschaftlichere Zusammenarbeit. Fotis Matentzoglou (Linke) bezeichnete die jahrzehntelange Expertise der Freien Wohlfahrt als wertvoll und wichtig. Er schlug vor, die Wohlfahrtsverbände mit in die kommunalen Lenkungsgruppen zu holen.

 

Programm und Dokumentation

Vom Best-of bis zum kompletten Video: zur Playlist bei Youtube

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Die Einladung finden Sie hier: PDF-Download

 

Zentrale Forderungen zur Landtagswahl

Asylstufenplan aufheben, NRW-Aufnahmeprogramm schaffen, Flüchtlingsberatung fördern, humanitäres Bleiberecht ausbauen. Hier finden Sie die Forderungen im Arbeitsfeld Flucht: PDF-Download
 

Zusammenarbeit von Kommunen und Wohlfahrt verbessern, Diskriminierung verhindern, Missstände bei der EU-Binnenzuwanderung beenden: Hier finden Sie die Forderungen im Arbeitsfeld Integration: PDF-Download

 

Ansprechperson

Jens Rautenberg

Geschäftsfeldleitung Flucht, Migration, Integration bei der Diakonie RWL

E-Mail: J.Rautenberg@diakonie-rwl.de

Telefon: 0211 6398-410

 

"Politiktalk! Gute Politik für Quartiere und ein soziales Gemeinwesen"

  • Termin: 09.03.2022 / 11.00 Uhr
  • Veranstalter: AG Quartier der Freien Wohlfahrtspflege NRW
  • Ort: Bochum (Teilnahme über Live-Stream)

Quartiers-/Gemeinwesenarbeit organisiert Gestaltungs- und Beteiligungsprozesse damit lebenswerte und solidarische Stadtteile, Dörfer und Nachbarschaften entstehen. Gemeinsam mit den Bürger*innen baut sie Versorgungs- und Partizipationsstrukturen in strukturschwachen Regionen und benachteiligten Gebieten auf. Gut entwickelte Quartiere zeichnen sich durch Gemeinsinn, Diversität und Demokratie aus. Dafür braucht es nicht nur Akteur*innen vor Ort, sondern eine Politik, die Anreize und Rahmenbedingungen dafür schafft.

Auf der Veranstaltung am 9. März 2022 nahmen rund 90 Teilnehmende – teils vor Ort im Quartier Hustadt (Bochum), teils via Zoom – die Gelegenheit wahr, im Rahmen eines hybriden Veranstaltungsformats der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit den vier Landtagsabgeordneten Andreas Becker, MdL SPD-Landtagsfraktion NRW, Christian Mangen, MdL FDP-Landtagsfraktion NRW, Mehrdad Mostofizadeh, MdL Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Britta Oellers, MdL CDU-Landtagsfraktion NRW ins Gespräch zu kommen.

Nach der Begrüßung durch Cornelia Harrer, Sprecherin der AG Quartier der Freien Wohlfahrtspflege NRW, gab Matthias Köllmann, Vertreter von HUkultur - Förderverein Hustadt e. V., eine Einführung zum Thema „Die Hustadt, ein ganz besonderer Ort“. Außerdem stellten Vertreter*innen der Freien Wohlfahrtspflege NRW das Positionspapier „Gemeinschaft vor Ort fördern – vor und nach der Pandemie erst recht“ als Diskussionsgrundlage vor. 

Im Anschluss folgte eine Gesprächsrunde mit den vier eingeladenen Landtagsabgeordneten Andreas Becker, MdL SPD-Landtagsfraktion NRW, Christian Mangen, MdL FDP-Landtagsfraktion NRW, Mehrdad Mostofizadeh, MdL Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Britta Oellers, MdL CDU-Landtagsfraktion NRW, in der die Notwendigkeit und Wichtigkeit einer sozialraum- und quartiersbezogenen Sozialarbeit unter aktiver Beteiligung einer engagierten Bürgerschaft im Lokalraum in Richtung Politik gut vermittelt werden konnte.

Insgesamt machten die Vertreter*innen der Freien Wohlfahrtspflege NRW die großen Herausforderungen einer überwiegend projekthaft finanzierten quartiersbezogenen Sozialarbeit und einem entsprechenden Änderungsbedarf deutlich. Darüber hinaus wurde die Träger der Freien Wohlfahrtspflege mit Ihren Einrichtungen und Initiativen als verlässliche Partner beim Aufbau einer zukunftsorientierten kommunalen Daseinsvorsorge präsentiert. Mit dem Politiktalk wurde eine gute Basis für weitere Gespräche mit einer zukünftigen Landesregierung geschaffen.

Programm und Dokumentation

Alle weiteren Infomationen zu den Teilnehmenden, dem Programm und den Präsentationen finden Sie hier:

Ankündigung als PDF-Datei

Präsentation HUkultur

Präsentation zum Positionspapier Quartier

Positionspapier Quartier als PDF-Datei