Link zur Startseite

Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen im Überblick

Beschäftigung

  • Im September 2025 gingen in NRW mehr als 7,42 Mio. Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Die Zahl hat sich gegenüber September 2019 um +4,6 % bzw. +323.100 Personen erhöht.
  • Die Beschäftigungsexpansion ist stark durch Frauen, Ältere, AusländerInnen, Teilzeitarbeit sowie Gesundheit, Bildung und Soziales geprägt.
  • Die Beschäftigungsquote der Bevölkerung bis zur Regelaltersgrenze (RAG) lag im Juni 2025 bei 61,0 % und ist in den letzten sechs Jahren um rund drei Prozentpunkte gestiegen.

Arbeitslosigkeit

  • Im März 2026 wurden in NRW rund 789.800 Arbeitslose registriert, davon zwei Drittel im SGB-II-Rechtskreis. Infolge der Zuflucht von Menschen aus der Ukraine und anderen Ländern sowie der anhaltenden Strukturkrise hat sich die Arbeitslosigkeit seit 2022 kräftig erhöht. Im Vergleich zu März 2022 stieg sie um +21,0 % bzw. +137.000. 
  • Im SGB III ist die Arbeitslosigkeit in den letzten vier Jahren wesentlich dynamischer gestiegen als im SGB II – eine Folge von Arbeitsplatzabbau. 
  • Die Arbeitslosenquote lag im März 2026 bei 7,9 %. Im Vergleich zu März 2022 ist die Quote um +1,2 Prozentpunkte gestiegen.

Leistungsbezug im SGB-II-Rechtskreis

  • Im SGB-II-Rechtskreis gibt es stets mehr Leistungsbeziehende als Arbeitslose, da der Leistungsbezug nicht vom Arbeitslosenstatus, sondern von der Bedürftigkeit abhängt. Die Lebenslagen der Betreffenden sind heterogen.
  • Die Zahl der Regelleistungsberechtigten (RLB) bezifferte sich im Dezember 2025 auf knapp 1,49 Mio. Menschen und ist in den letzten zwei Jahren gesunken. Ende 2025 setzte sich die Gruppe der RLB zu 73,0 % aus erwerbsfähigen und zu 27,0 % aus nicht erwerbsfähigen (vor allem unter 18-jährigen) Personen zusammen.
  • Ende 2025 lag der Anteil der Leistungsbeziehenden an der Gesamtbevölkerung bis zur Regelaltersgrenze (sog. SGB-II-Hilfequote) bei 10,5 %. Bei der unter 18-jährigen Bevölkerung betrug der Anteil 15,6 %.

Schwerpunktthema: Bildungsarmut und Ausbildungslosigkeit junger Menschen


 

Abschlüsse von SchulabgängerInnen

Die Zahl der SchulabgängerInnen ohne ersten Schulabschluss (ESA) ist in den vergan-genen 10 Jahren sowohl absolut (Abbildung obe

  • Aus Studien, in denen Kompetenzen von SchülerInnen untersucht werden (z. B. IGLU, TIMSS, PISA oder IQB-Bildungstrend), ergibt sich ein einheitliches, besorgniserregendes Bild: Im deutschen Bildungssystem gelingt die Vermittlung von Basiskompetenzen (Deutsch, Mathe, Naturwissenschaften) nicht mehr so wirksam wie noch vor 10 bis 15 Jahren. Laut den ländervergleichenden IQB-Bildungstrend-Studien schneidet NRW relativ schwach ab. 
  • Die Zahl der SchulabgängerInnen ohne ESA ist zwischen 2015 und 2025 von rund 11.050 auf knapp 14.400 gestiegen. Dies entspricht einem kräftigen Zuwachs in Höhe von +30,1 %. Rund vier von zehn Betreffenden gehen dabei von Förderschulen ab.
  • Auch die Zahl der SchulabgängerInnen mit ESA hat sich im betrachteten Zeitraum stark erhöht, und zwar um +47,5 %. Im Abschlussjahr 2025 erwarben etwa 11.300 Jugendliche einen ESA.
  • Bei den anderen Abschlussarten ist die jeweilige Zahl der SchulabgängerInnen rückläufig. Die Daten zur (Fach-)Hochschulreife werden 2026 durch die finalisierte Rückkehr zum G9-Abitur verzerrt.
  • Die Entwicklungen ziehen entsprechende Veränderungen in den Quoten nach sich: Während sich der Anteil der SchulabgängerInnen ohne und mit ESA jeweils um knapp drei Prozentpunkte erhöht hat, sind die Quoten bei den anderen Abschlussarten im betrachteten Zeitraum gesunken. 
  • Im Abschlussjahr 2025 verließen 7,9 % aller Jugendlichen die Schule ohne ESA. 6,3 % erwarben den ESA. Zusammengenommen verfügten damit 14,2 % maximal über den ESA. Diesen beiden Gruppen fällt der Übergang in eine berufliche Ausbildung schwer.
  • Der Schulerfolg hängt in Deutschland sowie in NRW stark vom Geschlecht, von der Staatsangehörigkeit sowie der familiären Herkunft ab. Männliche und ausländische Jugendliche sowie Jugendliche aus Haushalten mit begrenzten finanziellen und soziokulturellen Ressourcen erzielen schwächere Bildungsergebnisse. 

Übergangsgeschehen – AnfängerInnen nach Sektoren

Der Übergangsbereich hat eine anhaltend hohe und seit 2021 wieder steigende Relevanz (Abbildung oben). Allen voran Jugendliche mit maximal einem ESA haben Herausforderungen beim Direkteinstieg in eine Berufsausbildung und münden in den Übergangsbereich ein.

  • Daten darüber, welche Wege Schulabschlusskohorten unmittelbar nach der Beendigung der Sekundarstufe I und im weiteren Verlauf einschlagen, liegen für NRW nicht vor. Die hier verwendeten Daten der Integrierten Ausbildungsberichterstattung (iABE) zählen die in den jeweiligen Sektoren neu beginnenden Personen unabhängig vom Alter und von vorherigen (Aus-)Bildungsetappen.
  • Nachdem sich die Zahl der AnfängerInnen einer Berufsausbildung während der Covid-19-Pandemie spürbar verringert hat, ist sie zwischen 2021 und 2024 wieder gestiegen und liegt mit 161.400 etwa auf dem Niveau des Jahres 2018. Der Anteil an allen AnfängerInnen (ohne Studium) bezifferte sich 2024 auf 47,8 % und lag damit höher als 2015 und 2020/2021. Innerhalb des Berufsausbildungssektors hat die duale Ausbildung gegenüber schulischen und öffentlich-rechtlichen Ausbildungen etwas an Relevanz verloren. Während schulische und öffentlich-rechtliche Ausbildungen in den letzten Jahren einen recht starken Zuwachs an AnfängerInnen erfuhren, gab es bei der Zahl der AnfängerInnen dualer Ausbildungen einen leichten Rückgang.
  • Maßnahmen des Übergangsbereichs dienen der Ausbildungs- und Berufsvorbereitung. Vereinzelt bieten sie auch die Möglichkeit zum nachträglichen Erwerb eines ESA. Die Zahl der AnfängerInnen im Übergangsbereich betrug 2024 rund 60.100. Sie ist gegenüber 2015 marginal (+0,8 %) und im Vergleich zu 2021 recht stark gestiegen (+11,9 %). Der Anteil an allen AnfängerInnen (ohne Studium) lag 2024 bei 17,8 % und damit gut einen Prozentpunkt höher als 2015 und 2021.
  • Die Einmündung in den Übergangsbereich hängt stark von der schulischen Vorbildung ab. Im Jahr 2024 machten junge Menschen mit maximal einem ESA mehr als vier Fünftel aller AnfängerInnen des Übergangsbereichs aus. AnfängerInnen ohne ESA mündeten 2024 zu 69,8 % in Maßnahmen des Übergangsbereichs ein. Bei AnfängerInnen mit ESA lag der entsprechende Anteil bei ebenfalls hohen 51,6 %. Obwohl es sich rein formal betrachtet um unterschiedliche Gruppen handelt, haben beide Gruppen mit nennenswerten Herausforderungen beim Ausbildungsstart zu kämpfen. 
  • Entsprechend ihrer geringeren Bildungserfolge handelt es sich bei den Betreffenden häufig um Männer und Jugendliche ausländischer Staatsangehörigkeit sowie junge Menschen aus bildungs- und ressourcenschwachen Haushalten.
Einmündungsquoten in den Übergangsbereich 2015 2019 2020 2021 2024
AnfängerInnen ohne ESA 63,7% 65,8% 66,7% 66,7% 69,8%
AnfängerInnen mit ESA 47,2% 49,3% 54,4% 54,0% 51,6%
AnfängerInnen insgesamt (ohne Studium) 16,8% 16,5% 17,2% 16,9% 17,8%
Einmündungsquoten in Berufsausbildung 2015 2019 2020 2021 2024
AnfängerInnen ohne ESA 35,3% 32,5% 31,4% 33,3% 30,2%
AnfängerInnen mit ESA 52,8% 50,5% 45,5% 45,3% 48,2%
AnfängerInnen insgesamt (ohne Studium) 44,0% 46,7% 42,8% 43,9% 47,8%

Quelle: Statistisches Bundesamt, Integrierte Ausbildungsberichterstattung (iABE), verschiedene Jahre.

Duales Ausbildungsgeschehen

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge und Abschlussprüfungen hat sich in den letzten 10 Jahren verringert, zugleich hat die Ausbildungsstabilität seit 2020 abgenommen (Abbildung oben). Für Ausbildungsinteressierte gibt es nicht genügend Stellen (Tabelle unten).

  • Gemessen an den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sowie den Teilnahmen an Abschlussprüfungen steht das duale Ausbildungssystem in NRW unter Druck. Beide Größen weisen im betrachteten Zeitraum negative Trends auf.
  • Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge lag nach vorläufigen Ergebnissen im Jahr 2025 unterhalb der 100.000er Marke. Sie bezifferte sich lediglich auf etwa 99.200. Gegenüber 2015 hat sich die Zahl um -14,4 % bzw. -16.700 reduziert.
  • Bei den Teilnahmen an Abschlussprüfungen weist der Trend dieselbe Richtung auf: Lag die Zahl 2015 noch bei 107.100, belief sie sich neun Jahre später nur noch auf 85.800. Dies kommt einem Rückgang in Höhe von -19,9 % bzw. rund -21.000 gleich.
  • Die Rückgänge sind nicht eindimensional erklärbar. Zwischenzeitlich kleiner gewordene Schulabschlusskohorten spielen genauso eine Rolle wie veränderte (Aus-)Bildungsentscheidungen, Passungsprobleme und schwierige Wirtschaftsrahmenbedingungen.
  • Die Beurteilung der Möglichkeiten und Grenzen einer erfolgreichen Besetzung von bzw. Suche nach Ausbildungsstellen sowie der Passungsprobleme hängt von der Bestimmungsgenauigkeit der Angebots- und Nachfrageseite ab. Die Marktverhältnisse können nur näherungsweise bestimmt werden, wobei es hierfür unterschiedliche Betrachtungsweisen gibt. 
  • Bei der breitesten Perspektive werden bei der BA gemeldete Marktteilnehmende, vor dem Stichtag des 30.09. wieder abgemeldete Marktteilnehmende sowie Marktteilnehmende mit abgeschlossenen Ausbildungsverträgen bzw. besetzten Stellen gezählt (sog. „institutionell erfasste Marktbeteiligte“). Rein rechnerisch reichte das betriebliche Ausbildungsplatzangebot im Ausbildungsjahr 2024 in NRW lediglich für rund 86 % aller ausbildungsinteressierten jungen Menschen. Die Marktlage gestaltet sich dabei regional unterschiedlich.
  • Der Anteil der „institutionell erfassten“ Ausbildungsinteressierten, die in NRW in eine duale Berufsausbildung einmündeten, lag 2024 bei 63,5 % und 2025 bei 60,4 % (sog. Einmündungsquote). Damit findet ein nennenswerter Teil an ausbildungsinteressierten jungen Menschen keinen Zugang zum dualen Ausbildungssystem. 
  • Längst nicht alle Ausbildungen werden bis zum Ende absolviert. Im Jahr 2024 wurde fast jedes dritte Ausbildungsverhältnis vorzeitig beendet (30,9 %). Gegenüber 2015 hat sich die Vertragslösungsquote um sieben Prozentpunkte erhöht. Vor allem Jugendliche mit maximal einem ESA beginnen Ausbildungsberufe mit erhöhten Lösungsquoten. Für sie sind Vertragslösungen risikoreicher als für Jugendliche mit höheren Schulabschlüssen.

Vergleich der Marktbetrachtungsweisen (Ausbildungsjahr 2024)

Nordrhein-Westfalen

Deutschland

BA-Meldedaten 

(September 2024)

Angebot: Gemeldete Berufsausbildungsstellen

107.599

519.399

Nachfrage: Gemeldete BewerberInnen

105.734

431.552

Relation beider Marktseiten [(N/A)*100]

102

120

Berufsbildungsbericht und BIBB-Datenreport (Dezember 2024)

Angebot: Betriebliches Ausbildungsplatzangebot

119.205

555.660

Nachfrage: BewerberInnen (erweiterte Def.)

127.245

555.372

Relation beider Marktseiten [(N/A)*100]

94

100

BA: Institutionell erfasste Marktbeteiligte (Oktober 2023 bis September 2024)

Angebot: Institutionell erfasste Berufsausbildungsstellen

144.339

685.480

Nachfrage: Institutionell erfasste Ausbildungssuchende

168.057

720.120

Relation beider Marktseiten [(N/A)*100]

86

95

Ausbildungs- & Erwerbsentkopplung junger Menschen

Unterbrechungs- und (Re-)Orientierungsphasen prägen die (Aus-)Bildungsverläufe vieler junger Menschen. Je nach Indikator und Datenbasis sind bis zu 15 % mindestens temporär von Ausbildungs- und Erwerbsentkopplung bedroht bzw. betroffen (Abbildung oben & unten).

  • Die nachschulischen Bildungsverläufe junger Menschen lassen sich bisher nicht lückenlos und kohortenbasiert anhand der amtlichen Statistiken nachvollziehen. Mit Befragungen können die existierenden Daten- und Erkenntnislücken zumindest etwas geschlossen werden. Herangezogen werden hier Ergebnisse des EU-Labour Force Surveys (EU-LFS) sowie des Nationalen Bildungspanels (NEPS). 
  • Im EU-LFS wird zum einen die Quote vorzeitiger SchulabgängerInnen im Alter von 18 bis 24 Jahren erhoben. Gezählt werden hierbei alle Personen, die höchstens einen mittleren Schulabschluss haben und in den zurückliegenden vier Wochen des Befragungszeitpunkts an keinem weiterführenden (Aus-) Bildungsangebot teilnahmen. Der Anteil der Betreffenden belief sich 2025 in NRW auf 14,5 % und lag höher als im Bundesgebiet (13,1 %). In den letzten Jahren ist die Quote tendenziell gestiegen. 
  • Der EU-LFS erhebt zum anderen die sog. NEET-Quote („not in education, employment, or training“). Erfasst werden hier alle Personen, die innerhalb der vergangenen vier Wochen weder erwerbstätig waren noch an einem (Aus-)Bildungsangebot teilnahmen. Die NEET-Quote der 15- bis 24-Jährigen belief sich 2025 in NRW auf 8,9 %, für die Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen betrug sie 10,2 %. Beide Quotenwerte liegen geringfügig höher als im Bundesgebiet sowie auf höheren Niveaus als vor der Covid-19-Pandemie. Ein fehlender oder schwacher Schulabschluss erhöht das NEET-Risiko erheblich. Die Hintergründe für die (temporäre) Inaktivität sind heterogen und reichen von Resignation und Orientierungslosigkeit über gesundheitliche Probleme und familiäre Verpflichtungen bis hin zu bewusst eingelegten Auszeiten.
  • Die beiden EU-Indikatoren werden zeitpunktbezogen und im Querschnitt erhoben. Sie sagen nichts über eine Statusverfestigung aus. Eine bundesweite Studie aus 2022 widmete sich mittels NEPS-Daten der Schulabschlusskohorte des Jahres 2010, verfolgte diese über vier Jahre hinweg und bildete sechs Verlaufstypen. 15 % aller Fälle zeichneten sich durch instabile Verläufe und ein erhöhtes Risiko dauerhafter Ausbildungslosigkeit aus. 

Ausbildungs- und Arbeitslosigkeit junger Menschen

 nfQ-Quote der 20- bis 34-Jährigen

2015

2016

2017

2018

2019

2020

2021

2022

2023

2024

Nordrhein-Westfalen

17,2%

17,8%

17,7%

18,2%

18,1%

18,5%

21,1%

22,3%

21,5%

21,5%

Frauen

17,5%

17,4%

17,0%

17,6%

17,6%

17,5%

20,2%

20,9%

20,3%

19,7%

Männer

16,9%

18,2%

18,3%

18,8%

18,5%

19,4%

21,9%

23,6%

22,7%

23,3%

Deutschland

13,2%

14,0%

14,2%

14,4%

14,7%

15,5%

17,8%

18,7%

19,0%

18,8%

Frauen

13,0%

13,5%

13,3%

13,5%

13,8%

14,3%

16,2%

17,1%

17,2%

16,6%

Männer

13,4%

14,5%

15,1%

15,3%

15,5%

16,6%

19,2%

20,2%

20,7%

20,9%

Quelle: BIBB-Datenreport zum Berufsbildungsbericht, verschiedene Jahre, jeweils Tabelle A11.2-3. Hinweis: Jeweils die Datenreihen 2015 bis 2019 sowie 2020 bis 2023 erlauben aussagekräftige Vergleiche zwischen einzelnen Jahren.

Quelle: BA-Statistik, „Arbeitslose und Arbeitslosenquoten“ sowie „Migrationsmonitor.“

Die verfestigte Ausbildungslosigkeit hat in den letzten Jahren zugenommen (Tabelle oben). Zwar überträgt sich dies nicht zwangsläufig in Arbeitslosigkeit (Abbildung unten), jedoch sind Ausbildungslose den Arbeitsmarktrisiken im weiteren Lebensverlauf besonders stark ausgesetzt.

  • Die Quote der nicht formal Qualifizierten (nfQ-Quote) basiert auf Mikrozensus-Daten und misst das Ausmaß der formellen Ausbildungslosigkeit unter jungen Erwachsenen. Personen, die noch berufliche oder akademische Ausbildungen oder Freiwilligendienste absolvieren, werden dabei nicht zu denjenigen ohne abgeschlossene (oder anerkannte) Berufsausbildung gezählt. Damit werden zum größten Teil nur Personen gezählt, denen es absehbar schwerfallen dürfte, eine Berufsausbildung abzuschließen. Die Veröffentlichung der nfQ-Quote hat einen Zeitverzug von etwa zwei Jahren. Bei Report-Erstellung lagen Daten bis zum Jahr 2024 vor. 
  • In NRW hatte im Jahr 2024 mehr als jede fünfte Person im Alter von 20 bis 34 Jahren keine abgeschlossene (oder anerkannte) Berufsausbildung. Die nfQ-Quote lag bei hohen 21,5 %. Ein aussagekräftiger Vergleich lässt sich mit 2020 anstellen. Demnach ist die Quote um drei Prozentpunkte gestiegen.
  • In vergleichender Perspektive schneidet NRW eher schwach ab. Bundesweit lag die nfQ-Quote auf einem niedrigeren Niveau (18,8 %). Im Bundesländervergleich hat NRW die dritthöchste nfQ-Quote. 
  • Das hohe Niveau der nfQ-Quote hängt zum einen mit den Problemen im allgemeinbildenden Schulbereich sowie Berufseinstiegsgeschehen und zum anderen mit der ausgeprägten Fluchtmigration der letzten Jahre zusammen. Jungen Menschen mit eigener Fluchterfahrung mangelt es an Sprachkenntnissen sowie verwert- bzw. anerkennbaren Bildungsressourcen und Qualifikationen. Systemseitig gelingt es wiederum mit den bestehenden Angeboten nicht in der ausreichenden Effektivität, die Betreffenden formell zu qualifizieren. 
  • Die Arbeitslosigkeit hat sich unter jungen Menschen in den letzten vier Jahren erhöht. Lag die Jugendarbeitslosenquote im März 2022 bei 4,9 %, belief sie sich vier Jahre später auf 6,6 %. Die NEET-Quote der 15- bis 24-jährigen Bevölkerung fällt rund zwei bis drei Prozentpunkte höher aus. 
  • Zwar sind bei Weitem nicht alle jungen Menschen ohne eine abgeschlossene (oder anerkannte) Berufsausbildung arbeitslos, allerdings ist das (Langzeit-)Arbeitslosigkeitsrisiko der Betreffenden im weiteren Lebensverlauf stark erhöht. Ferner sind die beruflichen Entfaltungs- und Aufstiegsmöglichkeiten der Betreffenden merklich eingeschränkt.
Quelle: BA-Statistik, „Arbeitslose und Arbeitslosenquoten“ sowie „Migrationsmonitor.“

Zusammenfassung

Für den allgemeinbildenden Schulbereich ergibt sich aus Kompetenzstudien der besorgniserregende Befund, dass die Vermittlung von Basiskompetenzen deutlich schlechter gelingt als noch vor 10 bis 15 Jahren. NRW schneidet in den bundesländervergleichenden IQB-Bildungstrend-Studien schwach ab. Die Zahl der SchulabgängerInnen ohne ersten Schulabschluss (ESA) ist in den zurückliegenden 10 Jahren sowohl absolut als auch anteilig gestiegen. Im Abschlussjahr 2025 beendeten knapp 14.400 Jugendliche bzw. fast 8 % aller AbgängerInnen die Schulzeit ohne ESA. Gegenüber 2015 nahm die Zahl um +3.300 und die Quote um +2,6 Prozentpunkte zu. Die Verschlechterung der Bildungsergebnisse hat viele Ursachen (u. a. pandemiebedingte Schulschließungen, Heterogenität der Schülerschaft, Rolle der Digitalisierung im Alltag, Unterrichtsausfälle und -qualitätsmängel) und ist dringend zu stoppen.

Der Übergangsbereich hat in NRW eine anhaltend hohe und seit 2021 wieder steigende Relevanz. Im Jahr 2024 starteten gemäß Integrierter Ausbildungsberichterstattung 18 % aller AnfängerInnen (ohne Berücksichtigung von Studierenden) mit einer Maßnahme des Übergangsbereichs. Bei Jugendlichen ohne und mit ESA fielen die Quoten mit 52 % bzw. 70 % spürbar höher aus. Obwohl es sich rein formal betrachtet um unterschiedliche Gruppen handelt, sind junge Menschen ohne und mit ESA mit beträchtlichen Herausforderungen beim Ausbildungsstart konfrontiert.

Das für den Berufseinstieg sowie die Fachkräftesicherung wichtige duale Ausbildungssystem steht in NRW unter Druck: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge und Abschlussprüfungen hat sich in den letzten 10 Jahren verringert. Die Marktverhältnisse zwischen ausbildungsplatzanbietenden Betrieben und ausbildungsplatzsuchenden Personen sind zwar nicht exakt bestimmbar, die verfügbaren Daten legen aber nahe, dass das betriebliche Ausbildungsplatzangebot nicht für alle Ausbildungsinteressierten reicht und ein nennenswerter Teil an ausbildungsinteressierten Jugendlichen – nämlich fast 40 % – keinen Zugang zum dualen Ausbildungssystem findet. Ferner hat die Ausbildungsstabilität in den letzten Jahren merklich abgenommen, d. h. immer seltener werden begonnene Ausbildungen regulär bis zum Ende absolviert. 2024 wurde fast jedes dritte Ausbildungsverhältnis vorzeitig beendet. Für junge Menschen mit maximal einem ESA gestaltet sich die Situation besonders schwer: Die Berufsauswahlmöglichkeiten sind begrenzt, das Finden einer passenden Ausbildung ist herausfordernd und der Ausbildungsstart findet oftmals in Berufen statt, in denen die Vertragslösungsquote überdurchschnittlich hoch ausfällt (z. B. Verkauf, Friseur-, Maler- und Lackierer- sowie Dachdeckerhandwerk).

Unterbrechungs- und (Re-)Orientierungsphasen prägen die (Aus-)Bildungsverläufe vieler junger Menschen. Je nach Indikator und Datenbasis sind bis zu 15 % mindestens temporär von Ausbildungs- und Erwerbsentkopplung bedroht bzw. betroffen. Der Anteil der 18- bis 24-Jährigen, die höchstens einen mittleren Schulabschluss haben und an keinem weiterführenden (Aus-)Bildungsangebot teilnahmen, lag 2025 in NRW bei 15 % (1. EU-LFS-Indikator). Die NEET-Quote belief sich bei 15- bis 24-Jährigen auf 9 % und bei 15- bis 29-Jährigen auf 10 % (2. EU-LFS-Indikator). Eine auf NEPS-Daten basierende Bildungsverlaufsstudie des Schulabschlussjahrgangs 2010 zeigt zudem, dass 15 % dieser Kohorte vier Jahre nach Beendigung der Schule erhebliche Probleme mit dem Beginn einer Berufsausbildung haben und akut von dauerhafter Ausbildungslosigkeit bedroht sind.

Die nfQ-Quote signalisiert, dass die verfestigte Ausbildungslosigkeit in den letzten Jahren zugenommen hat. Im Jahr 2023 verfügten in NRW 21 % aller 20- bis 34-Jährigen nicht über eine abgeschlossene (oder anerkannte) Berufsausbildung. Im Bundesländervergleich ist dies der vierthöchste Wert. Zwar überträgt sich Ausbildungslosigkeit nicht zwangsläufig in Arbeitslosigkeit, jedoch sind Ausbildungslose den Arbeitsmarktrisiken im weiteren Lebensverlauf besonders stark ausgesetzt. Angesichts der Relevanz eines Berufsausbildungsabschlusses für die Erwerbspartizipation, berufliche Entfaltung sowie selbstbestimmte Lebensgestaltung ist die Quote besorgniserregend hoch. Ferner droht die Gefahr einer Qualifikationspolarisierung unter jungen Menschen.

Fehlende Schul- und Berufsausbildungsabschlüsse ziehen immense volkswirtschaftliche, gesellschaftliche und individuelle Folgekosten nach sich. Es bedarf einer substanziellen Bildungs- und Qualifizierungsoffensive, um die mannigfaltigen Herausforderungen anzugehen. Zu den exemplarischen Ansatzpunkten, um Verbesserungen zu bewirken, zählen die möglichst früh ansetzende und verbindliche Sprachdiagnostik und -förderung, die Nutzung des Ganztagsanspruchs an Grundschulen für die gezielte Förderung, die Fokussierung auf Kernkompetenzen zur Sicherstellung von Mindeststandards, die Stärkung der beruflichen Orientierung und Berufspraxis, die verstärkte Unterstützung von und institutionelle Zusammenarbeit an Übergangspassagen, der Ausbau und die Flexibilisierung von zweiten Bildungs- und Qualifizierungswegen sowie die Ressourcenkonzentration auf strukturschwache Gebiete.

Autor des Reports: Stefan Feldens (ISG). Datum der Veröffentlichung: 17. Juni 2026. Der Report wurde wissenschaftlich unabhängig vom ISG verfasst.