NRW-Report Arbeitsmarktpolitik 02.2026
Daten, Fakten und Entwicklungen zu Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit in Nordrhein Westfalen
Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe: Verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit bei anhaltend hohen Integrationshürden und zurückgehenden Eingliederungsleistungen
Zentrale Ableitungen der Freien Wohlfahrtspflege NRW aus dem NRW-Report Arbeitsmarktpolitik
Der NRW-Report 02/2026 zeichnet ein deutliches Bild der aktuellen arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen in Nordrhein-Westfalen. Drei Befunde stehen dabei im Mittelpunkt:
1. Langzeitarbeitslosigkeit verfestigt sich – aktive Unterstützung muss ausgebaut werden
Der NRW-Report zeigt, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit 2019 um fast 33 Prozent beziehungsweise um mehr als 80.000 Menschen gestiegen ist. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen erhöhte sich im selben Zeitraum von 38,7 auf 41,7 Prozent. Gleichzeitig steigt das Risiko, überhaupt langzeitarbeitslos zu werden, während die Chancen auf eine nachhaltige Integration in Beschäftigung sinken.
Aus Sicht der Freien Wohlfahrtspflege NRW unterstreichen Anstieg und Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit, wie wichtig eine starke und verlässliche aktive Arbeitsmarktpolitik ist. Langzeitarbeitslose Menschen benötigen individuelle Beratung, Qualifizierung, Stabilisierung und oftmals längerfristige Begleitung. Gerade für Menschen mit komplexen Problemlagen sind niedrigschwellige und sozialintegrative Unterstützungsangebote unverzichtbar.
2. Zunehmende Vermittlungshemmnisse erfordern passgenaue Förderung
Der Report macht deutlich, dass viele langzeitarbeitslose Menschen mehrere Vermittlungshemmnisse gleichzeitig aufweisen. Besonders betroffen sind Menschen ohne Berufsabschluss, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Menschen mit Migrationsgeschichte sowie Frauen, deren Integrationsquote deutlich hinter denen der Männer zurückbleibt. Im Zeitraum von 2020 bis 2026 lag die Integrationsquote von Frauen durchgehend um rund 11 bis 14 Prozentpunkte unter der von Männern. Gleichzeitig besteht ein immer größeres Missverhältnis zwischen den Anforderungen des Arbeitsmarktes und den persönlichen und beruflichen Qualifikationen vieler langzeitarbeitsloser Menschen.
Die Freie Wohlfahrtspflege NRW bewertet diesen Befund als klaren Auftrag, die Förderpolitik stärker an den tatsächlichen Lebenslagen der Betroffenen auszurichten.
- bedarfsgerechte Qualifizierungsangebote,
- mehr längerfristige Angebote öffentlich geförderter Beschäftigung,
- bessere Sprachförderung,
- individuelle Unterstützungs- und Coachingangebote,
- geschlechtersensible Förderstrategien,
- flexible Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit.
Arbeitsmarktintegration kann nur gelingen, wenn die Förderinstrumente auf die unterschiedlichen Zielgruppen zugeschnitten sind und individuelle Bedürfnisse flexibel berücksichtigen. Dafür ist eine auskömmliche Finanzierung erforderlich.
3. Rückgang der Arbeitsmarktförderung verschärft die Probleme
Besonders kritisch bewertet die Freie Wohlfahrtspflege NRW die Feststellung des NRW-Reports, dass Förderaktivitäten, Aktivierungsquoten und Eingliederungsleistungen im Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind, obwohl die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt drastisch zugenommen haben.
Die im Report dargestellte Entwicklung bestätigt die Erfahrungen der Träger der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen. Weniger Fördermittel bedeuten weniger Qualifizierung, weniger Stabilisierung und geringere Chancen auf nachhaltige Arbeitsmarktintegration. Die Schwächung der aktiven Arbeitsmarktförderung steht damit in einem deutlichen Widerspruch zu den wachsenden Anforderungen.
Kooperationsprojekt zwischen der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW (LAG FW NRW) und dem Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG)