Nach Ansicht der LAG FW muss es darum gehen, Maßnahmen zu entwickeln, die den individuellen Bedarfen und dem Entwicklungsstand sowie dem Lernverhalten der Kinder im Elementarbereich entsprechen und die fachwissenschaftlichen Erkenntnisse und Praxiserfahrungen der letzten Jahre aufgreifen. Im besten Fall arbeiten die beiden Systeme Kindertageseinrichtungen – als das abgebende System – und Schule – als das übernehmende System – mit einem gemeinsamen Blick auf das jeweilige Kind eng zusammen.
Zur grundsätzlichen Einschätzung zur Einführung von vorschulischen ABC-Klassen verweist die LAG FW NRW auf ihre Stellungnahmen zum Entwurf für das 18. Schulrechtsänderungsgesetz vom 11.02.2026, zum Entwurf einer Dritten Verordnung zur Änderung der Ausbildungsordnung Grundschule vom 20.05.2026 sowie zum Entwurf einer Verordnung zur Einführung schulischer Vorkurse zur Förderung der Sprachkompetenz (VorkurseVO) vom 10.06.2026.
Aus fachwissenschaftlicher Sicht ist alltagsintegrierte Sprachbildung der wirksamste Weg zum Erwerb sprachlicher Kompetenzen. Sie gelingt insbesondere in vertrauten Lebenswelten und tragfähigen Beziehungen. Deshalb spricht sich die LAG FW NRW ausdrücklich dafür aus, bestehende Strukturen der Bildung, Erziehung und Betreuung in Kindertageseinrichtungen zu stärken und weiterzuentwickeln und die Kinder dort zu fördern, wo sie sind.
Der im SPD-Antrag konstruierte „neue Kita-Alltag eines Gruppensprachkurs-Bus-Kindes“ würde nach Ansicht der LAG FW ein „Worst Case Szenario“ bedeuten, welches möglichst zu vermeiden ist. Den Ansatz der SPD-Fraktion, Kinder besser zu fördern, anstatt zu transportieren begrüßt die LAG FW NRW.
Ganzheitliche Bildung statt isolierter Fördermaßnahmen
Kindertageseinrichtungen leisten einen umfassenden Bildungsauftrag und fördern Kin-der in ihrer sprachlichen, sozialen, emotionalen, motorischen und kognitiven Entwicklung. Grundlage hierfür sind die Bildungsgrundsätze NRW, die einen ganzheitlichen Bildungsansatz, die Integration von Sprachbildung in alle Bildungsbereiche sowie die kontinuierliche Beobachtung und Dokumentation kindlicher Entwicklungsprozesse vorsehen.
Bereits heute gehören Früherkennung, Elternberatung sowie die Einleitung individueller Förder- und Unterstützungsmaßnahmen zum pädagogischen Alltag. Sprachförderung darf nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss in die Gesamtentwicklung des Kin-des eingebettet bleiben.
Sprachbildung nachhaltig stärken
Die LAG FW NRW setzt sich für den flächendeckenden Ausbau alltagsintegrierter Sprachbildung nach dem Vorbild der Sprach-Kitas ein. Entscheidend hierfür sind zusätzliche fachliche Unterstützungssysteme, spezialisierte Fachkräfte sowie eine verlässliche Fachberatung für alle Einrichtungen – unabhängig von Sozialindizes.
Darüber hinaus sollte eine fachlich fundierte Diagnostik etabliert werden, die Entwicklungsstände erfasst und unmittelbar in passgenaue Fördermaßnahmen mündet. Multi-professionelle Teams aus pädagogischen Fachkräften, Kindheitspädagoginnen und -pädagogen, Sozialpädagoginnen und -pädagogen sowie therapeutischen Fachkräften können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Angesichts des Fachkräftemangels sollten entsprechende Ressourcen sozialräumlich gebündelt und an bestehende Strukturen wie Familienzentren angebunden werden.
Die Sicherung und Gewinnung qualifizierter Fachkräfte bleibt dabei eine zentrale Voraussetzung für jede Weiterentwicklung der Sprachbildung und des Übergangs von der Kita in die Grundschule.
Eltern als zentrale Bildungspartner
Eine erfolgreiche Sprachbildung gelingt nur in enger Zusammenarbeit mit den Familien. Eltern sind wichtige Partnerinnen und Partner im Bildungsprozess ihrer Kinder und sollten frühzeitig erreicht, begleitet und unterstützt werden. Niedrigschwellige Angebote der Familienbildung, Familienzentren und Frühen Hilfen sowie Kooperationen mit Gesundheitsdiensten und Frühförderstellen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag.
Darüber hinaus benötigen Familien verlässliche Informationen und Orientierung beim Übergang in die Schule. Die bereits bestehenden Kooperationen zwischen Kindertageseinrichtungen, Grundschulen und weiteren Akteuren im Sozialraum sollten deshalb weiter gestärkt und verbindlich ausgestaltet werden.
Zugang zur Bildung und Förderung für alle Kinder
Grundsätzlich ist anzumerken, dass alle Jahre in der Kindertageseinrichtung „Chancen-Jahre“ sind und jede Kindertageseinrichtung eine „Chancen-Kita“ ist. Sprachbildung ist ein langfristiger Prozess, der früh beginnen und kontinuierlich begleitet werden muss. Entwicklungsbedarfe können nicht durch einzelne, zeitlich begrenzte Maßnahmen kompensiert werden. Ziel muss vielmehr sein, allen Kindern möglichst frühzeitig den Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Kindertageseinrichtung zu ermöglichen.
Darüber hinaus könnte ein verbindliches Chancenjahr für Kinder, bei denen Sprachförderbedarf festgestellt wird und die bislang keine Kita besuchen, eine Alternative zu einer vorgezogenen Schulpflicht sein.
Den ganzheitlichen Ansatz berücksichtigend, wäre es von großem Vorteil, wenn die Kinder und ihre Familien wesentlich mehr Zeit in einer Bildungsinstitution verbringen könnten als zweimal wöchentlich für 2 Stunden in den ABC-Klassen.
Gerade der Erwerb von Deutsch als Zweitsprache benötigt Zeit, positive Beziehungserfahrungen und kontinuierliche Sprachkontakte im Alltag.
Fazit
Die LAG FW NRW teilt das Ziel, die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern nachhaltig zu verbessern.
Erforderlich dafür ist die konsequente Weiterentwicklung des bestehenden Systems frühkindlicher Bildung. Dazu gehören:
• der flächendeckende Ausbau alltagsintegrierter Sprachbildung auf Grundlage der Bildungsgrundsätze NRW,
• die Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen durch Fortbildung, Fachberatung und zusätzliche refinanzierte Fachkräfte,
• der Ausbau multiprofessioneller Unterstützungssysteme,
• die frühzeitige und systematische Einbindung von Familien sowie
• die verbindliche Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen, Grundschulen und weiteren Akteuren im Sozialraum.
Ziel muss ein durchgängiges, qualitativ hochwertiges und anschlussfähiges Bildungs-system sein, das Kinder von Beginn an begleitet und fördert.
Die LAG FW NRW steht für die Weiterentwicklung eines solchen Gesamtsystems weiterhin als verlässliche Partnerin zur Verfügung.