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1. Wir wollen leben – dafür brauchen wir Zugänge!

Der Sozialbericht des Landes Nordrhein-Westfalen gehört seit 1992 zur etablierten Armutsberichterstattung der Landesregierung und ist von allen Parteien anerkannt. Seit 2004 wird der Bericht um den Blick auf Reichtum erweitert, und seit 2007 nimmt die Freie Wohlfahrtspflege die Gelegenheit wahr, Armut aus einer anderen Perspektive – der Lebenspraxis der Menschen, die in Armut leben – darzustellen.

Die Beteiligung der Freien Wohlfahrtspflege ist nicht in allen Bundesländern selbstverständlich und gewünscht. In dieser Hinsicht sind die Offenheit des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen und dessen Kooperationsbereitschaft positiv hervorzuheben und zu benennen.

Mit der Beteiligung am Sozialbericht 2026 des Landes Nordrhein-Westfalen nimmt die Freie Wohlfahrtspflege ihre Rolle als eigenständige Akteurin im Sozialstaat wahr. Ihr Ziel ist die Verbesserung von Lebenslagen insbesondere der Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, ausgegrenzt sind oder werden. Deren Interessen in den gesellschaftlichen Dialog einzubringen und sie als Expertinnen und Experten in eigener Sache selbst sprechen zu lassen – ihnen eine Stimme zu geben – ist ein Schritt zu mehr Teilhabe in und an der Gesellschaft.

Denn: Armut und soziale Ausgrenzung stellen kein individuelles Verschulden dar, sondern werden durch gesetzliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen verursacht, begünstigt oder auch verringert. Als sozialpolitische Akteure auf der kommunalen, der Länder- und Bundesebene tragen die Verbände dazu bei, für die Lebenslagen einkommensarmer und von sozialer Ausgrenzung betroffener Menschen zu sensibilisieren und einen politischen Diskurs mit dem Ziel einer Veränderung anzuregen. Dies gilt insbesondere für das in diesem Sozialbericht aufgenommene Schwerpunktthema »Zugänge«.