Zwischen Familie, Schule und neuen Chancen
Medine Güzel wurde am 7. Januar 1992 geboren. Die 34-Jährige lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern (zwei Söhne und eine Tochter) in Lübbecke.
Seit einiger Zeit nimmt sie an der Maßnahme »Qualifizierung von Integrationsbegleiterinnen in Kitas und OGS« teil. Ihr Ziel: den eigenen Weg in einen Beruf zu finden und langfristig auf eigenen Beinen zu stehen.
Ihr Bildungsweg war von Anfang an von Brüchen begleitet. 2009 kam sie mit 17 Jahren aus der Türkei nach Deutschland und besuchte zunächst eine Sprachschule für Jugendliche mit Migrationshintergrund. Dort hätte sie die Chance auf einen Hauptschulabschluss gehabt, doch mit der Geburt ihres ersten Kindes brach dieser Weg ab. »Bis zum achten Monat war ich in der Schule, aber dann ging es nicht mehr«, erinnert sie sich. Auch später, als sie den Abschluss nachholen wollte, durchkreuzten erneute Schwangerschaften ihre Pläne. Bis heute hat Medine Güzel keinen Schulabschluss.
Der Wunsch nach Bildung und Beruf ist jedoch nie verschwunden. Immer wieder sagte sie sich: »Irgendwann, wenn die Kinder größer sind, möchte ich etwas für mich machen.« Doch gerade ihre Tochter brauchte in den vergangenen Jahren besonders viel Unterstützung. Schulprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und lange Wartezeiten auf Diagnosen machten es unmöglich, eine Ausbildung oder Maßnahme zuverlässig zu verfolgen. »Ich stand zwischen mehreren Stühlen. Die Schule rief an, das Jobcenter hatte Erwartungen und meine Tochter brauchte mich. Das hat in mir Panik ausgelöst. Da bin ich dann auch selbst krank geworden.«
Trotz dieser Belastungen eröffnete sich für sie eine neue Perspektive: Über das Jobcenter erhielt sie die Chance, sich zur Integrationsbegleiterin weiterzubilden. Dieses Angebot nahm sie dankbar an. Heute besucht sie die Weiterbildung und hat erstmals das Gefühl, eigene Schritte gehen zu können.
Für die Zukunft hat sie klare Pläne: Zunächst will sie die Qualifizierung erfolgreich abschließen und danach ihren Schulabschluss nachholen. Auch den Führerschein möchte sie machen, sobald sie eigenes Geld verdient. Ihre Hoffnung ist es, künftig mit Kindern zu arbeiten, vielleicht an der Seite von Sozialarbeitenden. Was sie antreibt, ist der Gedanke, anderen zu helfen, und zwar so, wie sie selbst Unterstützung erfahren hat.
Schlüssel: Zugang zu Bildung durch kostenlose Weiterbildungsangebote und gezielte Förderung von Talenten