»Das Ehrenamt hat mir meine Würde zurückgegeben«
Gaby John (68 Jahre) aus Düsseldorf war lange Chefsekretärin. Nach mehreren Operationen stellte ihr Arbeitgeber sie frei. Jetzt engagiert sie sich ehrenamtlich.
»Als ich 2007 nach mehreren Operationen von meinem Arbeitgeber einfach kaltgestellt wurde, war das wie ein Schlag ins Gesicht. Über 30 Jahre hatte ich gearbeitet, zuletzt als Chefsekretärin an der Uniklinik Düsseldorf – und auf einmal war ich draußen. Noch nicht mal offiziell gekündigt, da hat mich das Jobcenter schon in Maßnahmen gesteckt. Bewerbungstraining, Buch-haltung, Steno… Lauter Sachen, die ich längst konnte. Aber wenn ich nein gesagt hätte, wäre sofort das Geld gestrichen worden.
Arbeitslos zu sein, das ist, als ob man dauernd zwischen Tür und Angel steht. Man weiß nicht, wann das Geld endlich kommt, kennt die ganzen Regeln nicht – und plötzlich steht man einen Monat lang komplett ohne einen Cent da. Für jemanden, der sein Leben lang gearbeitet hat, ist das ein echter Schock.
Trotzdem habe ich mir gesagt: Ich muss weitermachen. Also habe ich angefangen, mich ehrenamtlich einzubringen. Erst beim Verein »Pflegende Angehörige Nordrhein-Westfalen«, dann bei Deutschkursen für Kinder ohne deutsche Wurzeln, später auch in der Seniorenarbeit. Ich habe mit alten Leuten Anträge ausgefüllt, für sie eingekauft, Wohnungen geputzt. Viele schämen sich, Hilfe zu beantragen, weil sie denken, das seien Almosen. Dabei steht es ihnen zu – das habe ich immer wieder erklärt.
Und ich wusste ja selbst, wie es ist, wenn man an seine Grenzen kommt. Drei Jahrzehnte habe ich meine kranke Tochter und meine Eltern gepflegt. Da lernt man, wie wichtig Zusammenhalt ist – und dass kleine Dinge einen riesigen Unterschied machen können.
Ein großes Thema ist für mich das Essen. Ich habe sieben Jahre in Frankreich gelebt und gesehen, wie gut es funktioniert, wenn Kinder in der Kantine gemeinsam essen. Ja, wenn sie Zugang zu gutem Essen haben. Da entsteht eine ganz andere Stimmung. Am Tisch schmeckt’s besser, keiner stochert lustlos allein im Teller rum, und die Kinder starten mit mehr Energie in den Tag. Ich finde: So etwas brauchen wir auch hier, verlässlich und für alle. Kein Kind sollte hungrig bleiben.
Heute sage ich: Die Arbeitslosigkeit hat mir vieles genommen, aber durch das Ehrenamt habe ich meine Würde zurückbekommen.«
Schlüssel: Zugang zu Gesundheit durch Reduzierung von Ungewissheit und Druck für Leistungsbeziehende, Gemeinschaft mit anderen und Zugang zu gesunder Ernährung