»Ohne Arbeit fällt mir die Decke auf den Kopf«
Michael Korte ist 62 Jahre alt und seit Jahren ohne festen Job. Im Sozialkaufhaus Cash&Raus hat er eine sinnvolle Aufgabe gefunden, doch die geförderte Beschäftigung läuft bald aus. Im Gespräch erzählt er von Hürden auf dem Arbeitsmarkt, Problemen auf dem Wohnungsmarkt und Ideen, wie kulturelle Teilhabe unabhängig vom Kontostand möglich wird.
»Ohne Arbeit fällt mir die Decke auf den Kopf«, sagt Michael Korte. Seit fünf Jahren ist er im Düsseldorfer Sozialkaufhaus Cash&Raus beschäftigt, gefördert durch Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsmarkt. Doch die aktuelle Maßnahme läuft im Februar 2026 aus. Sein neuer Antrag nach § 16i SGB II ist gestellt, wird aber noch bearbeitet.
Eine Rückkehr auf den ersten Arbeitsmarkt hält er für unwahrscheinlich: »Bei mir ist halt auch das Problem: Ich bin 62. Offiziell sagt das kein Arbeitgeber so, aber da wird es schwierig.« Deshalb setzt er auf die Bewilligung der 16i-Stelle: »Von Cash&Raus habe ich die Zusage, dass sie mich halten wollen. Die Bewilligung muss halt vom Amt kommen.«
Seine Erfahrung mit dem Jobcenter beschreibt Korte als positiv. Gleichzeitig sieht er mehr Potenzial für ein erweitertes Angebot an Fortbildungsmöglichkeiten, eine breite Arbeitsmarktförderung sowie eine umfassende Beratung zu allen Möglichkeiten und Ressourcen. Viele wüssten nämlich gar nicht von allen Unterstützungsmöglichkeiten, die ihnen offen stünden.
Ein großes Problem sieht er beim Wohnen: »Es müsste viel mehr öffentlich geförderten und mietpreisgedeckelten Wohnraum geben.« Dazu käme, dass das Amt bei Wohnungen zu starre Grenzen setze: Er berichtet von Fällen, in denen Menschen aufgrund von fünf bis zehn Quadratmetern zu viel zum Auszug genötigt wurden.
Zuletzt thematisiert er die Teilhabe: »Wie sollen die Leute gesellschaftlich teilhaben, wenn sie es sich nicht leisten können?« Schon bei der Grundausstattung sei nur ein Stuhl vorgesehen, »als dürften arme Menschen keine Freunde haben«. Als Positivbeispiel erwähnt er die Kulturliste Düsseldorf. Dort erhalten armutsbetroffene Menschen Freikarten für Veranstaltungen. So habe er selbst schon Fortuna-Spiele gesehen und Karten für Theater- und Museumsbesuche bekommen. Solche Teilhabemöglichkeiten gebe es »aber nicht bundesweit, noch nicht mal landesweit in Nordrhein-Westfalen, da könnte man wirklich mal von Landesseite aus gucken, ob da was flächendeckender machbar ist«. Derartige Angebote hätten »wunderbare Synergieeffekte«, weil man neue Leute treffe – und darüber vielleicht sogar neue Arbeitsmöglichkeiten finde.
Schlüssel: Zugang zu Arbeit durch Maßnahmen der Arbeitsmarktintegration, umfassende Beratung durch die Jobcenter sowie Austausch mit anderen (armutserfahrenen) Menschen