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2. Zugänge sind der Schlüssel zum Leben!

Dem Siebten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zufolge lebt circa jeder sechste Mensch in Deutschland in Armut1. Ein besonders hohes Armutsrisiko haben insbesondere (Langzeit-)Arbeitslose, Alleinerziehende, Kinder, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderungen2.

Für viele Menschen mit Armutserfahrung stellt jedoch nicht allein die materielle Not die größte Hürde dar – vielmehr sind es häufig systemische und bürokratische Barrieren, die den Zugang zu staatlichen Leistungen oder Unterstützungsangeboten verhindern:

Undurchsichtige und komplexe Zuständigkeitsstrukturen führen dazu, dass Leistungsberechtigte von Behörde zu Behörde geschickt werden, ohne klare Antworten zu bekommen. Viele Leistungsberechtigte geben nach mehrfachen erfolglosen Versuchen entmutigt auf oder wenden sich schließlich an nicht-staatliche Beratungsstellen.

Wenn die Menschen die zuständigen Stellen erreichen, sehen sie sich oft mit komplizierten Antragsverfahren, umfangreichen Nachweispflichten sowie mangelndem Vertrauen durch die Mitarbeitenden der Ämter konfrontiert. Leistungsberechtigte wägen die Beantragung von Leistungen daher häufig ab und entscheiden sich teils dagegen – notwendige Unterstützungen bleiben so unerreichbar.

Darüber hinaus kann die fortschreitende Digitalisierung der Leistungsgewährung zu weiteren Ausschlüssen führen, wenn persönliche Beratung fehlt oder kein stabiler Zugang zu Technik und Internet besteht.

Auch nach Antragstellung sind Leistungsberechtigte regelmäßig mit langen Bearbeitungszeiten durch überlastete Behörden konfrontiert.

Hinzu kommen Stigmatisierungen von Anspruchsberechtigten in der öffentlichen Debatte. Diese verstärken Schamgefühle aufseiten der Leistungsberechtigten und führen in Teilen dazu, dass Menschen bewusst auf die Beantragung von Sozialleistungen verzichten.

Der häufig hochschwellige Zugang zu staatlichen Unterstützungen und Leistungen verstärkt und verfestigt somit die materielle Not und erschwert zugleich den Zugang zu Wohnraum, Arbeit, Bildung, Gesundheit und Teilhabe. Dies gilt insbesondere für Haushalte mit einem geringen Haushaltseinkommen.

Besonders hervorzuheben ist, dass die Bildungschancen von Kindern in hohem Maße von den Bildungsabschlüssen der Eltern abhängen. Wer in einem Elternhaus aufwächst, in dem die Eltern über einen Hochschulabschluss verfügen, erlangt mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst einen entsprechenden Abschluss3.

In diesem Bericht erheben die Armen ihre Stimme. Zwölf Menschen aus Nordrhein-Westfalen erzählen ihre eigene Lebensgeschichte. Es sind Geschichten von großen persönlichen Erfolgen, schwierigen Lebensphasen, tiefen Abstürzen und von sehr viel Mut – wenn es darum geht, mutig Unter-stützung in Anspruch zu nehmen und trotz zahlreicher Rückschläge nicht aufzuhören, an sich und die eigene Stärke zu glauben. Die Geschichten zeigen vielfältig, wo die Menschen auf Barrieren treffen und mit welchen Schlüsseln Zugänge möglich gemacht werden. Es wird deutlich, wie sehr die Zugänge zu den unterschiedlichen Aspekten des Lebens miteinander verflochten sind. Zur Darstellung wird pro Geschichte der Zugang zu je einem Aspekt – Bildung und Arbeit, Wohnen, Mobilität, Digitalisierung, soziokulturelle Teilhabe sowie Gesundheit – in den Blick genommen.
 

Lebenslagen in Deutschland“. Der Siebte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Seite 101

Lebenslagen in Deutschland“. Der Siebte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Seite 97ff.

3 Wer aus einem akademischen Elternhaus kommt, hat um ein Vielfaches häufiger einen Hochschulabschluss als diejenigen, deren Eltern keinen akademischen Abschluss haben. Mehr als die Hälfte (56 %) der Erwachsenen im Alter von 25 bis unter 65 Jahren, von denen mindestens ein Elternteil einen Hochschulabschluss hatte, verfügte 2021 selbst über einen Hochschulabschluss. In dieser Bevölkerungsgruppe war die Hochschulabschlussquote damit dreimal so hoch wie bei jenen, deren Eltern maximal einen beruflichen Abschluss oder die Hochschulreife hatten (19 %), und fast fünfmal so hoch wie bei Menschen mit formal gering qualifizierten Eltern (12 %). Das berichtet das Statistische Bundesamt (Destatis) im Nationalen Bildungsbericht auf Basis einer Sondererhebung des Mikrozensus. Zum Vergleich: Unabhängig vom Bildungsstand der Eltern hatten 24 % der Erwachsenen im Alter von 25 bis unter 65 Jahren einen Hochschulabschluss. (Destatis Pressemitteilung)