»Mein derzeit größtes Problem ist Mathe«
Alexander Held (26) stand kurz vor der Wohnungslosigkeit, war ohne Einkommen und ohne Motivation. Heute hat er ein klares Ziel: Mangelberuf Pflegekraft.
Mit 17 macht Alexander Held in Gummersbach seinen Hauptschulabschluss und weiß nicht, was dann kommen soll. Das Jobcenter vermittelt ihm eine Orientierungsmaßnahme. Mit Erfolg. In einem Restaurant nahe der Wohnung, in der er mit seinem Vater in einer Bedarfsgemeinschaft lebt, beginnt er eine Ausbildung zum Koch; verdient sein erstes eigenes Geld. »Das durfte ich aber nicht selbst verwalten, sondern musste es meinem Vater abgeben.«
Derart demotiviert, bricht er seine Ausbildung ab. Sein Vater hält ihm Geld für Essen und zum Leben vor. Hunger und Streit bestimmen während der Coronapandemie seinen Alltag – zu laut und für den Vermieter unzumutbar. Als Held im Sommer 2023 von einem Termin mit dem Jobcenter zurückkommt, steht er vor einer leergeräumten Wohnung. Der Vater hinterlässt einen Zettel mit dem Hinweis »Auszug!«.
Alexander Held steht vor der Wohnungslosigkeit und wendet sich an die Wohnhilfen Oberberg der Diakonie Michaelshoven in Köln. »Ohne die wäre ich auf der Straße gelandet«, sagt Held heute. »Alleine hätte ich es nicht geschafft.« Aber Held hat Glück. Nach kurzer Wartezeit kann er ein WG-Zimmer der Wohnhilfen beziehen und wohnt dort knapp zwei Jahre. Die dortige Mitwirkungspflicht gibt ihm Tagesstruktur: Jeden Tag arbeitet er in der Haustechnik oder -wirtschaft, hilft bei Umzügen oder in der Möbelbörse für Bedürftige, verdient ein Taschengeld.
Heute lebt Held in einer eigenen kleinen Wohnung und hat ein klares Ziel vor Augen: Er möchte als Pflegekraft arbeiten. Dazu macht er seinen erweiterten Hauptschulabschluss und, wenn möglich, auch seine Fachoberschulreife an der VHS-Abendschule: Deutsch, Englisch, Geschichte oder Bio sind kein Problem. Trotzdem fürchtet Held, noch zu scheitern, obwohl es einen hohen Bedarf an Pflegekräften gibt. »Mathe ist ein großes Problem. Ich bin seit zehn Jahren raus aus der Schule und habe von vielem noch nie gehört.« Kreisberechnung und Ähnliches sind eine große Herausforderung. »Ich hätte mir damals schon Hilfe gewünscht« – durch seine Eltern oder eine private Nachhilfe, die er sich nicht leisten konnte.
Held kann seine Stärken und Schwächen inzwischen gut einschätzen. »Ich habe zum Beispiel schnell gemerkt, dass mir in meiner eigenen Wohnung die Struktur der Wohnhilfen fehlt. Ich brauche ein geregeltes Umfeld«, sagt er. Also geht er jeden Tag zu ehemaligen Betreuerinnen und Mitbewohnern, die zu Freunden geworden sind; zu Weggefährtinnen und Unterstützern. »Eine Mitbewohnerin hat sehr viel mehr Ahnung von Mathe als ich und angeboten, mir zu helfen.« Für Held ein wichtiger Schritt in die gewünschte Richtung: ohne Vermittlung durch das Jobcenter, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter oder die Eltern.
Schlüssel: Zugang zu Wohnraum durch Unterstützungsangebote und Wohnprojekte