3. Zwölf Expertinnen und Experten berichten in eigener Sache
3.4 Zugänge zu Gesundheit
Krankheit macht arm und Armut macht krank. Dieser Zusammenhang ist durch viele Studien belegt: Arme Menschen haben überdurchschnittlich oft eine schlechtere Gesundheit und eine geringere Lebenserwartung als Menschen, die in ihrem Alltag mehr Geld zur Verfügung haben. Das trifft insbesondere auf Kinder und Jugendliche zu.7
Dazu kommt: Gesundheit ist eine wichtige Grundlage für die Teilhabe – sowohl am Arbeitsmarkt als auch am gesellschaftlichen Leben insgesamt. Gesundheit, Krankheit und Sterblichkeit sind zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen ungleich verteilt. Die Handreichung des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit führt dazu aus: »Die Lebenserwartung als Indikator für den Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Gesundheit zeigt, dass bei Männern der niedrigen Einkommensgruppe 27 % vor der Vollendung des 65. Lebensjahrs versterben, während die vorzeitige Sterblichkeit in der höchsten Einkommensgruppe circa 14 % beträgt. Bei den Frauen versterben 13 % der niedrigen und 8 % der höchsten Einkommensgruppe vorzeitig. Ein niedriger sozioökonomischer Status geht mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko und einer verringerten Lebenserwartung einher«8. Anders ausgedrückt: Männer im unteren Einkommensviertel sterben im Durchschnitt acht Jahre und Frauen vier Jahre früher als Personen aus höheren Einkommensgruppen. Bereits in der Kindheit und Jugend wirkt sich die sozioökonomische Situation der Familie auf die gesundheitliche Entwicklung aus. Dies zeigt sich unter anderem in den Schuleingangsuntersuchungen, etwa in den Bereichen Zahngesundheit, Motorik, Beweglichkeit oder Körpergewicht, aber auch in der psychischen Gesundheit9. Für die Gesundheit von großer Bedeutung sind zudem die Arbeitsbedingungen sowie die ausgeübten Tätigkeiten. Neben körperlichen Anforderungen und Belastungen spielen auch Umgebungseinflüsse, Unfallgefahren sowie psychische und psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz eine bedeutende Rolle für die Gesundheit und Erwerbsfähigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Personen, die arbeitslos sind, sind im Durchschnitt häufiger krank. Die Frage, ob die Arbeitslosigkeit durch eine hohe Krankheitslast verursacht wurde oder umgekehrt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Die Mehrzahl spezifischer Studien weist jedoch darauf hin, dass die gesundheitlichen Folgen durch die Arbeitslosigkeit einen größeren Anteil ausmachen.10
7 Siehe z. B. die KiGGS-Studie, 2. Folgebefragung des RKI von 2019
8 Handreichung Soziale Lage und Gesundheit in Deutschland, Seite 6