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»Ich möchte einfach wieder am Leben teilhaben dürfen«

Thorsten Prinz ist 55 Jahre alt, geschieden und hat zwei erwachsene Kinder. In der DDR hat er als Maurer gearbeitet, später auf dem Bau. Dann die Scheidung, ein harter Bruch in seinem Leben. Er zog in den Westen – direkt auf die Straße. Obdachlos schlug er sich durchs Leben, bis er eine Lungenentzündung verschleppte. Das Resultat: starke Herzprobleme.

»Das war kurz vor Schluss«, erzählt Thorsten Prinz. Weitere gesundheitliche Probleme machten einen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt unmöglich. Dabei war die Arbeit immer ein sehr wichtiger Teil seines Lebens: »Über die Arbeit habe ich mich definiert, und nun lebe ich seit 2013 krankheitsbedingt in Armut. Wenn ich zuvor regelmäßig ins System eingezahlt hätte und dann krank geworden wäre, dann hätte ich Erwerbsminderungsrente bekommen. Jetzt bekomme ich nur die Grundsicherung.« Die wurde mittlerweile zum dritten Mal verlängert, wie es weitergeht, das weiß der 55-Jährige noch nicht: »Wie bezahle ich meine Wohnung, meinen Lebensunterhalt, meine Stromrechnung? Ich weiß es nicht.«

Durch die Grundsicherung hat er bis jetzt 563 Euro im Monat bekommen. Doch das Geld reicht nicht zum Leben: »Es bleibt nichts über. Ich kann mir noch nicht einmal mehr den Kaffee leisten und erst recht kein Deutschlandticket. Ich möchte einfach wieder am Leben teilhaben dürfen. Denn wenn man nicht am Leben teilnehmen kann, weil man nichts hat, dann wird man depressiv, kriegt komische Gedanken, und das ist schlimm!« Ein Stück weit aus der Einsamkeit herausgeholt haben ihn die Treffen von Menschen mit Armutserfahrung, ein Angebot der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen. Seit fünf Jahren nimmt Thorsten Prinz nun daran teil. Für ihn eine gute Möglichkeit, unter Leute zu kommen, sich zu beteiligen und sich mit anderen auszutauschen, die in ähnlichen Situationen sind. Hier findet er das, was ihm in der Gesellschaft fehlt: Solidarität.

Solidarität ist für ihn der Schlüssel für eine bessere Zukunft. Im Blick hat er dabei vorrangig reiche Menschen oder jene mit Beamtenstatus. Die Lösung: »Der Beamtenstatus muss weg. Das müssen alles normale Arbeitnehmer sein, damit alle in ein und dasselbe System einzahlen – ohne Einzahlungsobergrenze – und dieselbe Rente bekommen.« Aber auch im Umgang mit armen Menschen muss sich etwas ändern: »Armut ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass normale Menschen davon nichts wissen wollen.«

Schlüssel: Zugang zu soziokultureller Teilhabe durch Ermöglichung von Mobilität und Austausch sowie Solidarität mit Menschen mit Armutserfahrung